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Die Bedeutung Mandelas für die bedrohte Zukunft der Menschheit

13/12/2013

 Mit seinem Tod wurde Nelson Mandela im kollektiven Unterbewussten der Menschheit eingebunden, sodass er niemals daraus verschwinden wird, denn er wurde zu einem universellen Archetypen, jener einer zu Unrecht verurteilten Person, die nicht nachtragend war und zu vergeben wusste und gegensätzliche Standpunkte miteinander zu versöhnen wusste und der uns eine unsterbliche Hoffnung gab, dass es immer noch einen Ausweg für die Conditio Humanae gibt. Nachdem er 27 Jahre in Haft verbracht hatte und im Jahr 1994 zum Präsidenten Südafrikas gewählt wurde, nahm er die große Herausforderung an, und es gelang ihm, die Gesellschaft seines Landes, die damals unter der enormen Ungerechtigkeit litt, die mit der Struktur der Apartheid einherging, welche die große schwarze Mehrheit seines Landes entmenschlichte und zur Un-Person verdammte, in eine einheitliche Gesellschaft zu verwandeln, frei von Diskriminierung, demokratisch und frei.

Dies gelang ihm durch die Wahl des Weges der Tugend, Vergebung und Versöhnung. Vergeben heißt nicht vergessen. Die Wunden sind noch da, manche von ihnen eitern noch immer. Vergeben heißt, das letzte Wort nicht der Verbitterung und der Rachsucht zu lassen oder diesen zu erlauben, den weiteren Lauf des Lebens zu bestimmen. Vergeben heißt, die Menschen von der Kette der Vergangenheit zu befreien, das Blatt zu wenden, auf dem zwischen Schwarz und Weiß unterschieden wird, und auf einem anderen Blatt weiter zu schreiben. Versöhnung ist nur möglich und verwirklicht, wenn die Täter ihre Verbrechen zugeben und die Opfer über deren Taten völlig in Kenntnis gesetzt werden. Die Bestrafung der Kriminellen ist die moralische Verurteilung der ganzen Gesellschaft.

 

Einer seiner Lösungswege, ein sehr origineller übrigens, schlägt ein Konzept vor, das unserer individualistischen Kultur fremd ist: Ubuntu. Es bedeutet: „Ich kann nur durch dich und mit dir ich selbst sein.“ Das heißt, ohne ein dauerhaftes Band, das alle mit allen verbindet, wird eine Gesellschaft, wie es in unserer der Fall ist, Gefahr laufen, in einem endlosen Konflikt zu zerreißen.

 

In allen Schulbüchern auf der ganzen Erde sollte diese humanistische Aussage Mandelas stehen: „Ich kämpfte gegen die Dominanz durch die Weißen und kämpfte gegen die Dominanz durch die Schwarzen. Ich kultivierte das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft, in der alle Menschen in Harmonie miteinander leben können und gleiche Möglichkeiten haben. Dies ist mein Ideal, und ich hoffe, ich lebe lange genug, um dies zu erleben. Sollte es jedoch nötig sein, wäre ich auch bereit, für dieses Ideal zu sterben.

 

Warum schuf Mandelas Lebensgeschichte die Hoffnung für die Zukunft der Menschheit und unserer Zivilisation? Deswegen, weil wir den Kreuzungspunkt von Krisen erreicht haben, der unsere Zukunft als menschliche Spezies gefährden könnte. Wir befinden uns mitten in der sechsten großen Massenvernichtung. Kosmologen (Brian Swimme) und Biologen (Edward Wilson) warnen uns, dass dieser zerstörerische Vorgang im Jahr 2030 kulminieren könnte, wenn alles so weitergeht wie bisher. Dies bedeutet, dass der Glaube, wirtschaftliches Wachstum würde uns soziale, kulturelle und spirituelle Entwicklung bringen, eine Illusion ist. Wir befinden uns in Zeiten von hoffnungsloser Barbarei.

Ich möchte jemanden zitieren, der jeglichen Verdachts erhaben ist: Samuel P. Huntington, der ehemalige Pentagon Berater und scharfe Analyst des Globalisierungsprozesses, der am Ende seines Buches „Kampf der Kulturen“ (Clash of Civilizations) sagt: „Recht und Gesetz sind die wichtigsten Voraussetzungen der Gesellschaft; in großen Teilen der Welt scheinen diese sich zu verflüchtigen; auf einem Weltniveau scheint die Zivilisation in vielen Aspekten der Barbarei den Weg freizugeben, das Gespenst eines bisher nie dagewesenen Phänomens zu schaffen, ein weltweites dunkles Zeitalter, das über die Menschheit fällt“.

 

Ich möchte die Meinung des bekannten Philosophen und Politikwissenschaftlers Norberto Bobbio hinzufügen, der wie Mandela an Menschenrechte und Demokratie als Mittel zur Problemlösung von zwischenstaatlicher Gewalt und als Weg zu einer friedlichen Koexistenz glaubte. In seinem letzten Interview erklärte er: „Ich vermag nicht zu sagen, wie das dritte Jahrtausend sein wird. Meine Gewissheiten versagen, und durch meinen Kopf schwirrt nur ein enormes Fragezeichen: Wird es das Jahrtausend der Vernichtungskriege sein oder das der Eintracht zwischen den Menschen? Auf diese Frage weiß ich keine Antwort.“

 

Angesichts dieser düsteren Aussichten würde Mandela sicher, basierend auf seiner politischen Erfahrung, antworten: Ja, es ist möglich für die Menschen, sich miteinander zu versöhnen, der Sapiens-Dimension den Vorrang vor der Demens-Dimension zu geben und eine neue Art des Miteinander im gemeinsamen Haus einzuführen. Vielleicht ist etwas Wahres an den Worten seines guten Freundes, Erzbischof Desmond Tutu, der den Wahrheits- und Versöhnung-Prozess koordinierte: „Nachdem wir mit dem Dämon der Vergangenheit konfrontiert wurden und ihm ins Auge blickten, um Vergebung baten und sie erhielten, lasst uns nun das Blatt wenden: die Vergangenheit nicht vergessen, aber nicht zulassen, dass sie uns für immer bedrückt. Lasst uns der glorreichen Zukunft einer Gesellschaft entgegengehen, in der die Menschen nicht für unwesentliche biologische Gründe oder andere merkwürdige Eigenschaften wertgeschätzt werden, sondern dafür, dass sie Personen von unendlichem Wert sind, die nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden.“

 

Nelson Mandela hinterlässt uns diese Lektion der Hoffnung: Wir können leben, wenn wir Ubuntu ohne Diskriminierung verwirklichen.

Übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

 

 

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