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Achtsamkeit für den Körper vs. Körperkult

25/12/2013

Es ist eine Bereicherung, die menschliche Existenz unter dem Blickwinkel der Komplexitätstheorie aus zu verstehen. Wir sind komplexe Wesen, d. h. in uns treffen unzählige Faktoren aufeinander: materielle, biologische, energetische, spirituelle, irdische und kosmische. Wir besitzen ein äußerliches Erscheinungsbild, mit dem wir den anderen zu verstehen geben, dass wir eine/r von ihnen sind und dass wir dem Universum der Körper angehören. Und wir haben ein Inneres, das von starken positiven wie negativen Energien besetzt ist, die unsere psychische Individualität bilden. Wir sind Träger der Dimension der Tiefe, wo wir uns die wichtigsten Fragen wie die nach dem Sinn unserer Reise durch diese Welt stellen. Diese Dimensionen bestehen gleichzeitig in uns, interagieren und beeinflussen sich gegenseitig und formen so das, was wir den Menschen nennen.

Alles in unserem Inneren bedarf der Pflege. Ansonsten verlieren wir das Gleichgewicht der Kräfte, die uns bilden, und wir entmenschlichen uns. Wenn wir das Thema der Achtsamkeit für den Körper ansprechen, ist es vor allem notwendig, uns bewusst dem Dualismus entgegenzustellen, der in unserer Kultur stets unterstrichen wird: der „Körper“ auf der einen Seite, losgelöst vom Geist, und auf der anderen Seite der körperlose „Geist“. So verlieren wir die Einheit des menschlichen Lebens.

Die kommerzielle Propaganda profitiert von diesem Dualismus, der den Körper nicht in seiner Ganzheit sieht, sondern ihn in seine Einzelteile aufspaltet: Muskeln, Hände, Füße etc. Hauptopfer dieser Werbung sind die Frauen, denn diese chauvinistische Perspektive hat sich in der Medienwelt des Marketing verankert, die die Körperteile der Frau, ihre Brüste, ihre Haare, ihren Mund, ihr Geschlecht und andere Aspekte nutzt, um aus der Frau einen „Gebrauchsgegenstand“ für die chauvinistischen Männer zu machen. Dieser kulturellen Deformierung müssen wir uns entschieden entgegenstellen.

Ebenso ist es wichtig, den „Körperkult“ abzulehnen, der von den unzähligen Sporthallen und anderen Methoden, die physische Person zu bearbeiten, vorangetrieben wird, als wäre der Körper der Frau/des Mannes eine ihres Geistes beraubte Maschine, die beständig danach strebt, mehr Muskeln zu bekommen. Damit wollen wir nicht den Wert der diversen Gymnastik-Übungen in Abrede stellen, die der Gesundheit und der Körper-Geist-Einheit dienen. Wir denken dabei an die Massagen, die dem Körper seine Energie zurückgeben und die Lebensenergien im Fluss halten, vor allem die orientalischen Disziplinen wie Yoga, das eine meditative Lebenshaltung fördert, oder den Ansporn, sich ausgewogen und gesund zu ernähren, einschließlich des Fastens sowohl als freiwillige Askese wie auch als Weg, die Lebensenergien wieder miteinander in Einklang zu bringen.

Die Kleidung verdient eine besondere Beachtung. Sie schützt uns nicht nur vor schlechtem Wetter, sondern ist auch Teil der Achtsamkeit dem Körper gegenüber, da die Kleidung für eine Sprache steht, in der man sich im Theater des Lebens ausdrückt. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass die Kleidung ein Ausdruck unserer Seinsweise ist und das ästhetische Profil einer Person  zeigt. Vor allem für die Frau ist dies wichtig, denn sie hat ein engeres Verhältnis zu ihrem Körper und ihrem Erscheinungsbild.

Nichts ist lächerlicher und stellt die Geistlosigkeit mehr zur Schau als Schönheit, die mit Botox und unnötigen Schönheitsoperationen hergestellt wurde. Aus dieser künstlichen Verschönerung ist eine ganze Kosmetikindustrie entstanden sowie Schlankheitskuren in Kliniken und Spas, die kaum einer Ganzheitlichkeit des Körpers dienlich sind. Das heißt nicht, dass Massagen und Kosmetika, die der Haut und der Schönheitspflege dienlich sind, nutzlos wären. Doch es gibt eine Schönheit für jedes Alter, die Ausstrahlung, die im Lauf des Lebens durch Arbeit entsteht, und den Geist, der sich in der physischen Erscheinung des Menschen ausdrückt. Kein Photoshop kann die raue Schönheit ersetzen, die die Härte des Lebens in das Gesicht eines Arbeiters gemeißelt hat, noch die Falten, die durch vielfältiges Leiden entstanden sind. Der Kampf so vieler Frauen, die auf den Feldern, in der Stadt und in den Fabriken arbeiten, hat auf ihren Körpern eine andere Art von Schönheit hinterlassen, die oft mit einem Ausdruck großer Kraft und Energie einhergeht. Sie sprechen vom wirklichen Leben und nicht von einer künstlichen und geschminkten Existenz.  Die sorgfältig ausgearbeiteten Fotos der Ikonen konventioneller Schönheit hingegen sind fast alle vom gängigen Schönheitsideal geprägt und können nicht die Affektiertheit des Gesichts und den frivolen Hochmut verbergen, der sich dort offenbart.

Solche Personen sind Opfer einer Kultur, die nicht die Achtsamkeit kultiviert, welche jeder Phase des Lebens zukommt mit ihrer Schönheit und ihrem Strahlen und auch mit den Bände sprechenden Spuren eines gelebten Lebens, die sich im Gesicht und im Körper eingeprägt haben durch vielfältiges Ringen, Leiden und überwundene Schwierigkeiten. Solche Spuren schaffen eine einzigartige Schönheit und eine besondere Ausstrahlung, nicht aber die Personen in Profil einer überholten Vergangenheit fixieren.

Wir kümmern uns um den Körper in einer positiven Weise, indem wir eine Haltung der Synergie und der Gemeinschaft mit allen Dingen annehmen, mit der Natur und der Erde, auf die wir uns vor Jahrhunderten exilierten. Dies bedeutet, eine lebensfreundliche Beziehung von Liebe und Einfühlungsvermögen zu den Tieren, Blumen, Pflanzen, dem Klima, den Landschaften und der Erde zu schaffen. Wenn wir diese wunderschönen Bilder des irdischen Globus betrachten, die durch Teleskope oder vom Weltall aus aufgenommen wurden, bricht in uns ein Gefühl der Ehrfurcht, des Respekts und der Liebe für unsere Große Mutter aus, von deren Schoß wir alle stammen. Sie mag klein und, weltgeschichtlich betrachtet, alt sein, doch sie hat eine besondere Ausstrahlung.

Das Erreichen eines Gleichgewichts zwischen der Selbstbestätigung einerseits, ohne in Arroganz zu verfallen und andere abzulehnen, und andererseits der Integration eines größeren Ganzen, der Familie, der Gemeinschaft, den Arbeitskollegen und der Gesellschaft, ohne sein eigenes Selbst zu verlieren und einem kritiklosen Mitläufertum zu verfallen, ist vielleicht die größte Herausforderung für den physischen Menschen. Dieses angestrebte Gleichgewicht lässt sich nicht ein für allemal erreichen, es muss täglich neu errungen werden, denn dies wird ständig von uns gefordert. Die beiden Kräfte, die uns sowohl zerreißen als auch uns zusammenhalten können, müssen stets ausbalanciert werden.

Die Achtsamkeit für unser In-der-Welt-Sein schließt auch unsere Ernährung ein: was wir essen und trinken. Es geht darum, im Essen nicht nur einen bloßen Akt des Ernährens zu sehen, sondern einen Ritus der Zelebration und der Kommunion mit unseren Tischnachbarn und mit den Früchten, die der Großzügigkeit der Erde entspringen. Es geht auch um die Wahl von biologischen Lebensmitteln oder solchen, die möglichst wenig mit Chemikalien behandelt wurden. So lässt sich ein gesundes Leben erreichen, indem man versucht, etwaigen Krankheiten vorzubeugen, die uns, bedingt durch die Umweltverschmutzung, befallen könnten.

Auf diese Weise lässt der physische Mensch seine innere und äußere Harmonie durchscheinen als Mitglied der großen Lebensgemeinschaft.

übersetzt von Bettina Gold-Hartnack


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