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Das finstere Reich der Großkonzerne

10/01/2014

Die guten Wünsche zum Neuen Jahr sind zum Ritus geworden. Sie sind nicht mehr als einfache Wünsche, denn sie verändern nicht den Lauf der Dinge, der darin besteht, dass die Supermächte weiterhin an ihrer Strategie der globalen Beherrschung festhalten. Daran müssen wir denken, und wir müssen sogar beten, denn die Konsequenzen für Wirtschaft, Soziales, Kultur, Spiritualität und für die Zukunft unserer Spezies und der Natur können verheerend sein.

 

Viele hofften, so wie J. Stiglitz und P. Krugman, dass aus der Krise von 2008 eine große Debatte darüber hervorgehen würde, welche Art von Gesellschaft wir nun bilden wollten. Sie haben sich absolut geirrt. Eine solche Debatte fand nie statt. Stattdessen nahm man mit voller Kraft denselben Kurs wieder auf, der die Krise verursacht hatte. Der britische Sozialforscher und einer der größten Spezialisten auf dem Gebiet der Ungleichheit, Richard Wilkinson, war aufmerksamer und erklärte bereits vor einiger Zeit in einem Interview mit der deutschen Zeitung „Die Zeit“: „Also müssen wir uns als Gesellschaft die grundsätzliche Frage stellen, ob wir wirklich nur nach dem Motto leben wollen, dass der Stärkere das meiste kriegt und der Schwächere zurückbleibt.“

 

Die Superreichen und die Supermächtigen haben entschieden, dass sie nach dem darwinistischen Prinzip leben wollen, demzufolge der Stärkere den Gewinn über den Schwächeren hinwegträgt und der Schwächere sich damit abzufinden hat. Doch Wilkinson kommentiert: „Ich glaube, wir brauchen wieder mehr Kooperation und Gegenseitigkeit. Die Menschen wollen größere soziale Gleichheit.“ Dieses Verlangen wird durch die Reichen bewusst negiert.

 

Die kapitalistische Logik ist im allgemeinen eine verfressene: ein Unternehmen frisst ein anderes (euphemistisch nennt man dies fusionieren). Kommt man an einen Punkt, an dem nur noch wenige übrig bleiben, ändern sie die Logik: anstatt sich gegenseitig zu bekämpfen, schließen sie miteinander einen Pakt der Wölfe und benehmen sich untereinander lammfromm. Durch dieses Arrangement haben sie noch mehr Macht und können sich und ihre Aktionäre besser absichern, ohne sich auch nur im Geringsten um das Gemeinwohl der Gesellschaft zu kümmern.

 

Der politische und wirtschaftliche Einfluss, den sie über die Regierungen ausüben, die zum Großteil schwächer sind als die Konzerne, ist durchaus entscheidend und hat Auswirkungen auf die Warenpreise, die Kürzungen von Sozialleistungen und Ausgaben für die Bereiche Gesundheit, Erziehung, öffentlicher Transport und Sicherheit. Die Tausende von Menschen, die in Brasilien und weltweit auf die Straßen gehen, haben die Dominanz durch diesen neuen Herrschaftstypus voraus geahnt, dessen Devise lautet: „Geiz ist gut“ und „Lasst uns verschlingen, so viel wir können“.

 

Es gibt ausgezeichnete Studien über die weltweite Dominanz der großen multinationalen Konzerne.  Die bekannteste Studie ist die von David Korten: „When corporations rule the world“ (Wenn Konzerne die Welt regieren). Es bedurfte aber noch einer zusammenfassenden Studie, und diese wurde 2011 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule von Zürich vorgenommen, die mit dem MIT (Institut für Technologie) von Massachusetts zu den renommiertesten Forschungszentren zählt. Es arbeiteten namhafte Forscher an dem Dokument, das eher kurz ist mit nicht mehr als 10 Seiten und 26 Seiten über die Methodologie, um völlige Transparenz der Resultate zu demonstrieren. Ladislau Dowbor, Professor für Wirtschaft an der Bischöflichen Katholischen Universität von Sao Paulo, PUC-SP, hat die Studie auf seiner Webseite (http://dowbor.org) zusammengefasst. Auf diese Zusammenfassung beziehen wir uns hier.  

 

Unter den 30 Millionen bestehenden Konzernen wählte die ETH 43 000 aus, um deren Funktionsweise besser untersuchen zu können. Das vereinfachte Schema lautet so: Es gibt einen kleinen zentralen Finanzkern, der zwei Seiten besitzt: auf der einen Seite befinden sich die Konzerne, die den Kern bilden, und auf der anderen Seite sind die Konzerne, die von diesem Kern kontrolliert werden. Dieses Gerüst bildete ein Netzwerk globaler Kontrolle durch die Konzerne. Dieser kleine Kern (core) bildet einen Superorganismus. Von diesem Nukleus geht die Kontrolle über die Konzerne aus, wodurch die Kostensenkung erleichtert wird, man sich vor Risiken schützt,  Vertrauensstärkung stattfindet, und vor allem wird bestimmt, welche Richtlinien der Weltwirtschaft wo verstärkt werden müssen.

 

Dieser kleine Kern, der vor allem aus den großen Banken besteht, besitzt die Mehrheit der Firmenanteile der anderen Konzerne. Die Spitze kontrolliert 80 % des ganzen Konzern-Netzwerks. Es sind dies nur 737 Akteure aus 147 Großunternehmen. Darunter befinden sich u. a. die Deutsche Bank, J.P. Morgan Chase, UBS, Santander, Goldman Sachs, BNP Paribas. Letztlich werden 40 % der Konzerne des ganzen Netzwerks von weniger als 1 % beherrscht.

 

Mithilfe dieser Daten können wir die Empörung der Anhänger der Occupy-Bewegung besser verstehen und das Aufbegehren derjenigen, die 1 % der Unternehmen beschuldigen, mit den Ressourcen, die aus dem Schweiß der 99 % der Bevölkerung entstehen, nach Gutdünken umzugehen. Sie arbeiten nicht und produzieren nichts. Sie vermehren nur das Geld, indem sie welches in die Spekulation stecken.

 

Es ist genau diese absurde Unersättlichkeit des grenzenlosen Anhäufens, die die systemische Krise von 2008 hervorgerufen hat. Durch diese Logik klafft die soziale Schere immer weiter auseinander und wird der Ausweg aus der Krise immer schwieriger. Wie viel Unmenschlichkeit kann die Menschheit noch verkraften? Alles hat seine Grenze, und die Wirtschaft ist nicht das Ein und Alles. Aber uns wurde nun ein Einblick in diese monströse Funktionsweise gewährt. Wie Dowbor sagt: „Die Wahrheit ist, dass wir den Elefanten in der Mitte des Raums nicht wahrnahmen. Er zerbricht alles, das Glas, das Geschirr, und er trampelt auf den Menschen herum. Aber wie lange noch?“ Das weltweite ethische Verständnis bestärkt uns darin, dass eine Gesellschaft, die auf übermäßiger Ausbeutung und auf Lügen und Tod basiert, nicht lange bestehen kann.

 

 Übersetzt von Bettina Gold-Harnack

 

 

 

 

 

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