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Eine Anatomie der menschlichen Seele: die Psalmen

19/02/2014

Die Psalmen stellen eine der am weitesten entwickelten Gebetsformen dar, die die Menschheit je hervorbrachte. Millionen von Menschen, Juden, Christen und religiöse Menschen aller Traditionen rezitieren und singen täglich Psalmen, vor allem Nonnen, Mönche und Priester beim täglichen Stundengebet.

Wir wissen nicht genau, wer ihre Autoren waren, denn diese zeichneten die Gebete auf, die im Volk kursierten. Einige Psalmen stammen sicherlich von David (10. Jh. v. Chr.), der als der Psalmist schlechthin gilt. Er war Schafhirte, Krieger, Prophet, Musiker, König und ein zutiefst religiöser Mensch. Er eroberte den Berg Zion in Jerusalem und führte dort um die Bundeslade einen Kult  sowie die Psalmen ein.

 

Wenn man von den „Psalmen Davids“ spricht, bedeutet das gemeinhin „im Stil Davids komponierte Psalmen“. Die Psalmen tauchten während einer Zeitspanne von knapp 1000 Jahren an den Kultorten auf und wurden vom Volk rezitiert, bis sie in der Epoche der Makkabäer im 2. Jh. v. Chr. als Sammlung zusammengestellt wurden. Das Psalter ist ein historischer Mikrokosmos, der einer mittelalterlichen Kathedrale gleicht, die jahrhundertelang von mehreren Generationen und durch Tausende Hände gebaut wurde und die architektonischen Stiländerungen der unterschiedlichen Epochen beinhaltet. Ebenso gibt es Psalmen, die unterschiedliche Gottesbilder reflektieren, da sie aus verschiedenen, uns fremdartigen Epochen stammen und von Rachegelüsten und dem Verlangen nach einem unerbittlichen Zornesgericht Gottes sprechen.

 

Die Psalmen zeugen von der zutiefsten Überzeugung, dass Gott, wenngleich in unzugänglichem Lichte, in unserer Mitte zugegen ist, sozusagen in einer Art Zelt lebt (shekinah). Wir können uns ihm mit Anrufungen, Klagen, Lobliedern und in Dankbarkeit nähern. Er hat stets ein offenes Ohr für uns.

 

Der Ort, an dem sich seine Gegenwart verdichtet, ist der Tempel, in dem die Psalmen gesungen werden. Doch als Schöpfer der Erde und des Himmels befindet er sich auch an allen Orten, wenngleich keiner davon ihn völlig in sich aufnehmen könnte.

 

Völlig zu Recht behaupten die Hebräer voller Stolz: „Niemand hat einen Gott, der so nah ist wie der Unsere“, jedem nahe und inmitten des Volkes. Die Psalmen sprechen vom Bewusstsein der Nähe Gottes und seinem tröstlichen Schutz. Aus diesem Grund findet man in den Psalmen eine persönliche Nähe zu Gott, ohne jedoch in einen privaten Individualismus zu verfallen. Es gibt eine kollektive Gebetsform, die das persönliche Erleben nicht ausschließt. Eine Dimension verstärkt die andere, da in beiden eine Wahrheit liegt. Es gibt keine Personen ohne das Volk, dem sie angehören, und es gibt kein Volk ohne die freien Menschen, die es bilden.

 

Wenn wir die Psalmen nachbeten, finden wir in ihnen unser spirituelles, persönliches und kollektives Röntgenbild. In ihnen finden wir unsere eigene Gemütsverfassung wieder: Verzweiflung und Freue, Angst und Vertrauen, Trauer und Tanz, Rachegelüste und Bereitschaft zur Vergebung, unser Inneres und die Faszination von der Weite des Sternenhimmels. Der Reformator Johannes Calvin (1509-1564) drückte dies gut im Vorwort seines wunderbaren Psalmen-Kommentars aus:

 

„Ich pflege das Psalmbuch nicht ohne Grund eine Anatomie aller Teile der Menschenseele zu nennen; denn es findet sich kein Gefühl im Menschen, dessen Bild nicht in diesem Spiegel zu finden ist. Alle Schmerzen, alle Traurigkeit, alle Befürchtungen, Zweifel, Hoffnungen, Sorgen, Ängste, ja auch alle die gemischten Regungen schließlich, die den Menschengeist umtreiben, hat hier der heilige Geist nach dem Leben geschildert.“

 

Dadurch, dass die Psalmen unsere spirituelle Autobiographie wiedergeben, repräsentieren sie sowohl die Worte, die der Mensch an Gott richtet, als auch die Worte Gottes an den Menschen. Schon immer diente das Psalter als ein Buch des Trostes und als geheime Sinnquelle, insbesondere wenn der Mensch sich von Verlassenheit, Verfolgung, Ungerechtigkeit und Todesbedrohung bedrückt sieht. Der französische Philosoph Henri Bergson (1859-1941) hinterließ uns ein unverhofftes Zeugnis: „Von den Hunderten von Büchern, die ich las, vermochte mir keines so viel Licht und Trost zu verschaffen wie diese Verse des Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. … Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir.“

 

Ich möchte folgendes Beispiel nennen: Da war ein Jude, der, umgeben von Kindern, in die Gaskammer von Auschwitz geschoben wurde. Er wusste, dass er dem Tod entgegen ging. Dennoch betete er mit lauter Stimme den Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte … Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir.“ Der Tod vermag die Gemeinschaft mit Gott nicht zu durchbrechen. Er ist ein Schritt, wenngleich ein schmerzhafter, hin zur großen Umarmung mit dem ewigen Frieden.

 

Somit handelt es sich bei den Psalmen um religiöse und mystische Poesie in ihrer höchsten Ausdrucksweise. Wie alle Poesie erschaffen sie die Realität neu durch Metaphern und durch Bilder, die dem Imaginären entstammen. Diese gehorcht einer eigenen Logik, die sich von der der Rationalität unterscheidet. Durch das Imaginäre verwandeln wir Situationen und Fakten, indem wir in ihnen einen verborgenen Sinn und göttliche Botschaften entdecken. Deshalb sagen wir, dass wir nicht nur prosaisch in dieser Welt leben, indem wir den offenkundigen Sinn im Lauf der Ereignisse erfassen. Wir leben auch poetisch in dieser Welt, indem wir die andere Seite der Dinge sehen und hinter dieser Welt eine andere Welt voller Schönheit und Bezauberung wahrnehmen.

 

Die Psalmen lehren uns, poetisch in der Wirklichkeit zu leben. Diese wird dadurch in ein großes Sakrament Gottes verwandelt, voller Weisheit, Ermahnungen und Lektionen, die unsere Pilgerschaft zur Quelle sicherer gestalten, wie es so schön im Psalm heißt: „Gehe ich auch mitten durch große Not, du erhältst mich am Leben .. deine Rechte hilft mir“ (Ps 138,7-8).

Übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

 

 

3 Comentários leave one →
  1. 20/02/2014 10:23

    NEUER REVOLUTION
    Unsere Zivilisation wird lange dauern, zu bröckeln. Das Römische Reich nach decreeing
    seinem Ende, noch überlebt 400 Jahren. Dieses Beispiel ist nicht gut mit unseren zivilisatorischen Krise kompatibel. Aber es zeigt, dass es eine plötzliche wir werden es ändern.
    Dann haben wir eine Revolution zur Beschleunigung der Zerstörung der alten Zivilisation, so dass Sie eine neue Zivilisation legen kann neu erfinden.
    Das werden wir in die Geheimnisse der sozialen Netzwerke (Computer und Mobiltelefone) eingeben und erfinden eine neue Revolution, damit wir die zivilisatorische Leiche zu drücken und es für immer zu begraben.
    Wir haben das Geheimnis der den Abriss entdeckt:
    Abstrakte Arbeit verlor seine ontologische Dimension als Wert, Geld als seine Manifestation, verlor seinen Wert, wird der Ausgang Null mit einer Masse von Arbeitslosen 90% zu erreichen. Wer konsumieren? Industrie fast arbeiten ohne Angestellte, ohne einen Produktionswert. Lohnt es sich, ein Unternehmer, ohne einen Gewinn in Ihrem Unternehmen? Deren Legitimität aufgehört, nach der Zerstörung der abstrakten Arbeit gibt es? Wenn es nicht besser für uns alle tun, einen Konsens zwischen Arbeitgebern und gelöscht, bevor er auf Ihr Unternehmen?
    Alles wird ohne die abstrakte Arbeit zusammenbrechen. Alles wird kein Marktwert sein.
    Vermeiden wir, irreversible soziale Barbarei, spricht, als Robert Kurz, neu zu erfinden eine neue soziale Paradigma? …

  2. 27/02/2014 21:16

    Odeciomendesrocha Mendes Rocha
    22 de fevereiro próximo a Fortaleza
    Odeciomendesrocha Mendes Rocha LINK PERMANENTE
    22/02/2014 20:24
    Por favor: Seu comentário está aguardando moderação.
    FIM DA ECONOMIA CLÁSSICA E O ADVENTO DO COMUNISMO
    Quando escreví “O Reino da Liberdade” há 07 (sete) anos atrás, pouca gente entendeu o que eu estava escrevendo. Foi publicado em dois jornais locais aqui de fortaleza “O Povo” e “A Folha do Ceará”. Depois publiquei na Internet, no meu blog, neste site do Leonardo Boff e em outros. Agora vou para as vias de fato.
    O trabalho abstrato perdeu a sua dimensão ontológica. Não há mais razão para sua existência. Ele era a raiz de toda a economia milenar que produzia valor.
    A idéia sobre o fim do trabalho abstrato, da economia sem valor, do dinheiro sem valor remete-nos 24 séculos de espera.
    Quem primeiro pensou numa sociedade sem trabalho, com a produção zero valor e o dinheiro sem valor, foi o filósofo Aristóteles ( séc IV a.C.), quando disse: “Se o tear (instrumento artesanal de fiação) trabalhasse sozinho, não precisaria de senhor nem de escravo”. Esta idéia foi retomada por Karl Marx em 1857-8, no seu livro os Grundrisse (Borrões, em 03 vols.), onde ele resgata Aristóteles com a nova roupagem tecnológica atual.
    A Cibernética de Norbert Wiener e sua extensiva informática que culminou na robótica, abriu as portas para o comunismo, com esta revolução eletrônica que estamos a passar.
    O próprio capitalismo inventou a corda para se enforcar – o comunismo cibernético.
    A robótica que quase eliminou com o espaço/tempo, acabou extinguindo com o trabalho abstrato (entidade social que criava valor, segundo Marx), com o valor da produção e liquidou com o valor do dinheiro, que é a manifestação do trabalho abstrato e o valor.
    Esta nova civilização que haverá de vir brevemente, eliminará com os problemas climáticos e ecológicos, pois foi a sociedade consumista que provocou o desastre ecológico. Não haverá mais consumismo na nova civilização.
    Estamos chegando à Terra Prometida. Estamos entrando numa sociedade onde haverá pouco trabalho e muito ócio criativo, como sonhava Karl Marx no reino da liberdade.
    Não chamem os Ludista, como a matéria publicada na revista “Carta Capital” da semana passada. Não precisamos quebrar as máquinas para que retorne o emprego estrutural. Deixem a robótica evoluir até chegar ao comunismo cibernético – sonho da humanidade há 2.400 anos.

  3. Johnk582 permalink
    09/05/2014 9:41

    Some really nice and useful information on this web site, also I conceive the style and design holds superb features. ddcabgkgbadb

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