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Der eigentliche Grund für die Umweltkrise: der Bruch in der universellen Beziehun

26/02/2014

 

Es gibt viele Gründe, die zur aktuellen Umweltkrise führten. Wir kommen hier jedoch auf die eigentliche Ursache zu sprechen: die beständige Abkehr des Menschen von seiner grundlegenden Verbindung mit dem übrigen Universum und dessen Schöpfer. Diesen Bruch hat der Mensch verursacht und für dessen Dauer und Fortbestand gesorgt.

 

Es gibt eine zutiefst mysteriöse und tragische Dimension in der Geschichte der Menschheit und des Universums. Die jüdisch-christliche Tradition nennt diese fundamentale Frustration die „Sünde der Welt“, und in der Theologie heißt sie, gemäß dem Hl. Augustinus, der diesen Ausdruck prägte, „Erbsünde“ oder „Sündenfall“. Die Vorsilbe „Erb“ hat nichts mit den historischen Wurzeln dieses Anti-Phänomens oder folglich mit der Vergangenheit zu tun. Vielmehr bezieht es sich auf das, was dem Menschen eigen ist, was die fundamentale und radikale Ursache seiner menschlichen Existenz betrifft und damit die aktuelle Conditio Humana.

 

Noch weniger kann Sünde auf eine rein moralische Dimension oder auf menschliches Versagen reduziert werden. Sie bezieht sich auf eine allgemeine Haltung und damit auf eine Unterwanderung aller menschlichen Beziehungen. Es geht um eine ontologische Dimension des Menschen, verstanden als ein Netz von Beziehungen. Dieses Netz ist verzerrt und korrumpiert, was allen Arten von Beziehungen schadet.

 

Es ist wichtig hervorzuheben, dass es sich bei der Erbsünde um die Interpretation einer fundamentalen Erfahrung handelt, einer Antwort auf die Herausforderung eines Rätsels. Beispielsweise kann es in Japan einen wunderschön blühenden Kirschbaum geben, während gleichzeitig ein alles zerstörender Tsunami in Fukushima wütet. Auf der einen Seite haben wir eine Mutter Teresa von Kalkutta, die sich um die gestrandeten Menschen auf der Straße kümmert, und auf der anderen Seite einen Hitler, der sechs Millionen Juden in die Gaskammern schickt. Warum dieser Widerspruch? Philosophen und Theologen haben lange nach einer Antwort gesucht. Bisher jedoch ohne Erfolg.

 

Ohne all die möglichen Interpretationen zu vertiefen, gehen wir von derjenigen aus, die sich unter den religiösen Denkern einer wachsenden Zustimmung erfreut: Sie sieht die Unzulänglichkeit als einen Moment im Evolutionsprozess. Gott schuf kein Universum, das augenblicklich fertiggestellt und gleich perfekt war. Vielmehr löste Gott einen zu vervollkommnenden Prozess aus, dessen Ende noch offen ist und der sich in Richtung immer komplexerer, subtiler und perfekter Formen bewegt. Wir hoffen, dass er einst seinen Omega-Punkt erreichen wird.

 

Unzulänglichkeit ist kein Defekt, sondern ein sich in Entwicklung befindlicher Prozess. In ihr drückt sich nicht Gottes eigentlicher Plan für Seine Schöpfung aus, sondern ein Moment inmitten eines immensen Prozesses. Mit dem irdischen Paradies ist nicht die Nostalgie für ein verlorenes goldenes Zeitalter gemeint, sondern das Versprechen für eine noch vor uns liegende Zukunft. Die erste Seite der Bibel ist tatsächlich ihre letzte. Zu Beginn wird eine Art Miniaturmodell der Zukunft vorgestellt, um die Leser und Leserinnen mit der Hoffnung auf ein gutes Ende für die ganze Schöpfung zu erfüllen.

 

Der Hl. Paulus sah den traurigen Zustand der Schöpfung als eine Unterwerfung unter die Vergänglichkeit (mataiótes) und zwar nicht aufgrund des Menschen, sondern aufgrund Gottes selbst. Die exegetische Bedeutung des Wortes „Vergänglichkeit“ weist auf den Reifungsprozess hin. Die Natur hat ihre Reife noch nicht erreicht. Aus diesem Grund befindet sie sich zurzeit immer noch weit von ihrem letzten Ziel entfernt. Deshalb „seufzt die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag und liegt in Geburtswehen“ (Röm 8,22). Der Mensch nimmt teil an diesem Reifungsprozess und seufzt ebenfalls (Röm 8,23). Alle Geschöpfe erwarten bangend die volle Ausreifung der Söhne und Töchter Gottes, denn zwischen ihnen und dem Rest der Schöpfung besteht eine tiefe Interdependenz und Verbindung. Ist der Reifezustand erreicht, wird auch die Schöpfung an der glorreichen Freiheit der Kinder Gottes teilhaben (siehe Röm 8,20).

 

Dann wird der letzte Plan Gottes erfüllt sein, und erst dann wird Gott in der Lage sein, die ersehnten Worte auszusprechen: „Und Er sah, alles war gut.“ Noch sind diese Worte Prophezeiungen und Versprechen für die Zukunft, denn nicht alles ist gut. Ernst Bloch, der Philosoph des Prinzips Hoffnung, drückte dies so aus: „Genesis steht am Ende, nicht am Anfang.“ Der Verzug im Reifungsprozess des Menschen impliziert einen Verzug in der Schöpfung. Die Fortschritte des Menschen bedeuten einen Fortschritt für das Ganze. Die Menschheit kann ein Instrument zur Befreiung oder aber ein Hindernis auf dem Evolutionsprozess darstellen.

 

Und hierin befindet sich das Drama: Als die Evolution den Level der Menschheit erreichte, erlangte sie einen Zustand des Bewusstseins und der Freiheit. Der Mensch wurde als ein Schöpfer geschaffen. Menschen können zu einem guten Zweck in die Natur eingreifen und für sie sorgen, oder sie für einen schlechten Zweck zerstören. Es begann vielleicht mit dem Entstehen des Homo habilis vor 2,7 Millionen Jahren, als Werkzeuge geschaffen wurden, mit denen die Menschen in der Lage waren, in die Natur einzugreifen, ohne deren Rhythmus zu berücksichtigen. Zu Beginn kann dies ein simpler Akt gewesen sein. Doch seine Wiederholung schuf eine Haltung von mangelnder Achtsamkeit. Anstatt gemeinsam auf einer Stufe mit allem zu sein und zu leben, stellte der Mensch sich über die Dinge und dominierte sie. Und so ging es stets weiter bis zum heutigen Tag.

 

Damit fielen die Menschen aus der natürlichen Solidarität mit allen Lebewesen heraus. Sie verstießen gegen den Plan des Schöpfers, der den Menschen als Mit-Schöpfer gewollt hat, dessen Genie die unvollkommene Schöpfung hätte vervollkommnen sollen. Doch stattdessen nahm der Mensch den Platz Gottes ein. Die Stärke der menschlichen Intelligenz und seines Willens versetzte ihn in die Lage, sich als ein „kleiner Gott“ zu fühlen und sich so zu verhalten, als wäre er tatsächlich Gott.

 

Dies ist die große Spaltung von der Natur und dem Schöpfer, die der ökologischen Krise zugrunde liegt. Das Problem liegt in der Art des menschlichen Wesens, das im Lauf der Geschichte eher eine „geophysikalische Zerstörungskraft“ (E. Wilson) entwickelte statt eine Kraft der Achtsamkeit und der Bewahrung.

 

Die Lösung dieses Problems besteht darin, sich wieder mit allen Dingen zu verbinden. Es ist nicht notwendig, religiöser zu werden, sondern bescheidener, eher ein Teil der Natur, verantwortlich für deren Nachhaltigkeit, und achtsamer in jeglicher menschlichen Aktivität. Die Menschheit muss zur Erde zurückkehren, von der sie sich selbst exiliert hat, und deren Bewahrer werden. Dann wird der natürliche Vertrag wiederhergestellt. Auch durch die Öffnung hin zum Schöpfer wird der unlöschbare Durst des Menschen gestillt. Die Frucht dafür wird der Friede sein.

 

 Übersetzt von Bettina Gold-Harnack

 

 

 

 

 

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