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Der Mensch: der bewusste und intelligente Aspekt der Erde

06/06/2014

Der mit Bewusstsein ausgestattete Mensch sollte nicht als außerhalb des Evolutionsprozesses stehend betrachtet werden. Der Mensch repräsentiert ein sehr spezifisches Moment in der Komplexität der Energien, Informationen und der Materie von Mutter Erde. Kosmologen lehren uns, dass zu dem Zeitpunkt, als ein gewisser Level an Verbindungen erreicht war, an dem eine Spezies von gleichklingenden Vibrationen kreiert worden war, die Erde das Bewusstsein erwachen ließ und damit Intelligenz, Einfühlungsvermögen und Liebe.

Der Mensch ist der Teil von Mutter Erde, der zu einem fortgeschrittenen Moment ihrer Evolution zu fühlen begann, zu denken, achtsam zu sein und zur Verehrung fähig wurde. Dann erblickte das komplexeste Wesen, das wir kennen, das Licht der Welt: der Homo sapiens sapiens. Daher leitet sich, dem antiken Mythos der Achtsamkeit zufolge, der Begriff Homo (Mensch) von Humus (fruchtbare Erde) ab, und Adam (Sohn und Tochter der Erde) stammt vom hebräischen adamah (fruchtbare Erde).

Mit anderen Worten stehen wir weder außerhalb noch oberhalb der lebendigen Erde. Wir sind Teil der Erde, gemeinsam mit den anderen Wesen, die sie ebenfalls hervorbrachte. Wir können nicht ohne die Erde überleben, doch die Erde könnte ihren Weg ohne uns fortsetzen.

Da wir mit Bewusstsein und Intelligenz ausgestattet sind, sind wir Wesen mit einer besonderen Eigenschaft: Wir wurden beauftragt, Sorge für unser Gemeinsames Haus zu tragen und es zu bewahren. Und darüber hinaus: Wir sind mit dem Leben beschenkt und können den natürlichen Vertrag zwischen Erde und Menschheit ständig erneuern, denn seine Erfüllung wird die Nachhaltigkeit des Ganzen gewährleisten.

Diese Gegenseitigkeit Erde-Menschheit lässt sich besser absichern, wenn wir die instrumentell-analytische intellektuelle Vernunft mit der einfühlsamen Vernunft des Herzens verbinden. Dann gelingt es uns noch besser zu verstehen, dass wir Lebewesen sind, die mit Zuneigung ausgestattet sind, und dass wir in der Lage sind zu fühlen und Zuneigung zu schenken und zu empfangen. Diese Dimension ist Jahrmillionen alt, seit das Leben vor ca. 3,8 Milliarden Jahren entstand. Aus ihr entstanden die Leidenschaften, Träume und Utopien, die Menschen in Bewegung versetzen. Diese Dimension, die auch als emotionale Intelligenz bezeichnet wird, wurde in der letzten Zeit unterschätzt, auch im Namen der angeblichen Objektivität der rationalen Analyse. Inzwischen wissen wir aber, dass alle Vorstellungen, Ideen und Visionen der Welt von Anfang an durchdrungen waren von Zuneigung und Sensibilität (Michael Maffesoli, Elogio da razão sensível, Petrópolis 1998).

Die bewusste und notwendige Vereinigung der emotionalen Intelligenz mit der intellektuellen Vernunft wird uns noch mehr dazu verhelfen, für Mutter Erde und ihre Geschöpfe zu sorgen und sie zu respektieren.

Mit dieser intellektuellen und emotionalen Intelligenz besitzt der Mensch auch eine spirituelle Intelligenz. Spirituelle Intelligenz ist nicht nur dem Menschen eigen; namhaften Kosmologen zufolge ist sie eine der Dimensionen des Universums. Geist und Bewusstsein haben ihren Platz inmitten des kosmischen Prozesses. Wir können sagen, dass sie zuerst im Universum auftauchte und erst später auf der Erde und im Menschen. Der Unterschied zwischen dem Geist der Erde und des Universums und unsrem eigenen Geist beruht nicht auf einer unterschiedlichen Herkunft, sondern auf einer unterschiedlichen Ausprägung.

Der Geist war aktiv vom allerersten Augenblick nach dem Urknall. Es ist dies die Fähigkeit des Universums, eine sinfonische Einheit aller Beziehungen und Interdependenzen herzustellen. Seine Aufgabe besteht darin, das zu verwirklichen, was manche Quantenphysiker (Zohar, Swimme u. a.) als Relational Holism bezeichnen: alle Faktoren miteinander zu verbinden und alle Energien zu bündeln, alle Informationen zu koordinieren und alle Impulse nach vorn und nach oben zu bringen, sodass sich ein Ganzes bildet und der Kosmos tatsächlich als ein Kosmos (etwas Geordnetes) entsteht und nicht einfach als ein Nebeneinander von Lebewesen oder ein Chaos.

In diesem Sinne sprechen nicht wenige Wissenschaftler (A. Goswami, D. Bohm, B. Swimme u. a.) von einem selbst-bewussten Universum und von einem Zweck, der verfolgt wird, indem die gebündelten Energien in Aktion treten. Diese Bewegungslinie lässt sich nicht leugnen: von den ersten Energien hin zur Materie, von der Materie zur Komplexität, von der Komplexität zum Leben, vom Leben zum Bewusstsein, das in uns Menschen als individuelle Selbst-Wahrnehmung verwirklicht ist, und von der Selbst-Wahrnehmung gehen wir zur Noosphäre (Teilhard de Chardin), die uns spüren lässt, dass wir alle mit einem kollektiven Geist beseelt sind.

Alle Wesen haben auf der einen oder anderen Weise an diesem Geist teil, ganz gleich wie “unbeweglich“ sie uns erscheinen, wie z. B. ein Berg oder ein Stein. Auch sie sind in einem unbegrenzten Netzwerk von Beziehungen involviert, in dem sich der Geist manifestiert. Wir könnten es in folgende Formel fassen: Der Geist in uns ist das Moment des Bewusstseins, an dem das Bewusstsein seiner selbst gewahr wird, sich als Teil eines größeren Ganzen empfindet und eine Verbindung spürt, die alle Wesen miteinander vereint und in der Existenz eines Kosmos resultiert, nicht in einem Chaos.

Dieses Verständnis erweckt in uns ein Gefühl der Zugehörigkeit zu diesem Ganzen, der Verwandtschaft mit unseren Mitgeschöpfen, der Anerkennung seines inneren Wertes durch dessen bloße Existenz und zum Gefühl, etwas vom Mysterium des Universums aufgedeckt zu haben.

Wenn wir von Nachhaltigkeit in ihrer globaleren Bedeutung sprechen, müssen wir dieses Moment der kosmischen, irdischen und menschlichen Spiritualität einbeziehen, damit die Nachhaltigkeit vollständig und ganzheitlich sein kann und um ihre unterstützende Kraft zu stärken.

übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

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