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Humor als Ausdruck psychischer und spiritueller Gesundheit

28/07/2014

Alle höheren Lebewesen besitzen einen ausgeprägten Sinn für das Spiel. Das sehen wir, wenn wir unsere Katzen und Hunde beobachten. Doch Humor ist nur den Menschen eigen. In theologischen Reflexionen wurde Humor niemals als ernsthaftes Thema in Erwägung gezogen, obwohl bekanntlich alle Heiligen und Mystiker, also die einzig wahrhaft ernsthaften Christen, über Humor verfügten. In der Philosophie und der Psychoanalyse hatte Humor mehr Glück.

Humor ist kein Synonym für Witze, den es gibt Witze ohne Humor und Humor ohne Witze. Ein Witz kann nicht wiederholt werden; wiederholt man ihn, verliert er seinen Anmut. Eine Erzählung, die voller Humor steckt, bewahrt sich stets ihren Anmut, und wir hören sie immer wieder gern.

Humor kann nur aus der Tiefe des menschlichen Wesens heraus verstanden werden. Sein Merkmal besteht darin, ein zeitloses Projekt zu sein, Träger unerschöpflicher Wünsche, Utopien, Träume und Fantasien. Diese existentielle Gegebenheit ist die Ursache für ein ständiges Ungleichgewicht zwischen Verlangen und Realität, zwischen dem, wovon man träumt, und dem, was sich verwirklichen lässt. Keine Institution, Religion, kein Staat und kein Gesetz kann das menschliche Wesen völlig in sich aufnehmen, selbst wenn es dort eine Art Ordnung gibt, die Menschen beinhaltet. Doch der Mensch überschreitet diese Determinanten. Daher ist es so wichtig, das Verbotene auszuprobieren, um Freiheit zu erleben und um Neues zu schaffen. Und dies geschieht in der Kunst, Literatur und auch in der Religion.

Wenn wir diesen Unterschied zwischen Gesetz und Realität bemerken – wie z. B. das Verbot der Benutzung von Kondomen in der katholischen Morallehre zu Zeiten grassierender AIDS-Erkrankungen – kommt der Sinn für Humor ins Spiel. Man kann über das Verbot lachen, denn es macht wenig Sinn und es ist, als würde man gegen den Wind pfeifen, denn entweder hört oder achtet niemand darauf, sodass es nur Humor hervorbringen kann. Solche Menschen leben auf dem Mond, nicht auf der Erde.

Der Humor verhilft zu einem Gefühl der Befreiung vom Gewicht solcher Beschränkungen und zur Freude, diese relativiert zu sehen und ohne die Wichtigkeit, die sie sich selbst zuschreiben. Für einen Augenblick fühlt der Mensch sich frei von den ihn schwächenden Über-Ichs, von der Last, die die Situation ihm abverlangt, und er spürt einen Sinn für Freiheit als ein Mittel, selbst über seine Zeit zu bestimmen, seiner Tätigkeit einen Sinn zu verleihen und etwas Neues zu schaffen. Hinter dem Humor steht die Kreativität, die dem Menschen eigen ist. Unabhängig von möglichen natürlichen und sozialen Einengungen, gibt es immer Raum, etwas Neues zu kreieren. Wenn dies nicht so wäre, gäbe es keine Genies in Wissenschaft, Kunst oder im Denken. Zuerst werden sie als „verrückt“ erachtet und als exzentrisch und abnormal. Viel später entdeckt man beim zweiten Hinschauen das Genie eines van Gogh, die fantastische Kreativität von Bach, die zu deren Lebzeiten fast unbeachtet blieben. Von Jesus wird gesagt, dass seine Freunde kamen, um ihn wegzuholen, da man von ihm sagte „Er ist verrückt“ (Mk 3,21). Dasselbe wurde von Franz von Assisi berichtet: Er ist „pazzus“, verrückt, was dieser als Ausdruck des göttlichen Willens verstand. Und er war ein Heiliger und so erfüllt von Humor und Freude, dass man ihn den „stets glücklichen Bruder“ nannte.

Einfacher ausgedrückt: Humor ist ein Zeichen für die Unmöglichkeit, das menschliche Wesen innerhalb eines etablierten Rahmens zu definieren. Innerhalb seines tieferen und wahren Selbst befindet sich ein Schöpfer und ein freies Wesen.

Aus diesem Grund ist es dem Menschen möglich, solche Systeme, die ihn innerhalb von bestehenden Kategorien einsperren wollen, zu belächeln und sie mit Humor zu betrachten. Auch der Spott, mit dem wir seriöse Gentlemen beobachten (z. B. Professoren, Richter, Schuldirektoren und selbst Monsignori), die feierlich und mit dem Anschein einer höheren, fast göttlichen Autorität versuchen, andere blind und unterwürfig zu mache, sodass sie ihren Anordnungen wie Schafe folgen, auch dies regt den Humor an.

Der Philosoph Philip Lersch (Philosophie des Humors, München 1953, S. 26) schrieb ganz richtig: „Der innerste Wesenskern des Humors liegt in der Kraft der religiösen Haltung. Denn der Humor sieht das Irdische und das Menschliche in seiner Unzulänglichkeit zu Gott.“ Von der Ernsthaftigkeit Gottes aus belächelt der Mensch den menschlichen Ernst mit dessen Anspruch, absolut seriös und wahr zu sein. Vor Gott ist er nichts. Und es gibt ebenfalls eine ganze theologische Tradition, die wir von den Vätern der Orthodoxen Kirche kennen und die von einem Deus ludens (einem spielerischen Gott) spricht, denn Gott schuf die Welt als ein Spiel zu Seiner eigenen Unterhaltung. Und Gott tat dies auf so kluge Weise, indem er Humor mit Ernst verband.

Diejenigen, die ihr Leben in Gott verankert haben, verfügen über eine Methode, Humor zu kultivieren. Sie relativieren die irdische Ernsthaftigkeit, selbst ihre eigenen Mängel, und sie sind frei von Sorgen. Der Hl. Thomas Morus, der zum Tod durch die Guillotine verurteilt wurde, bewahrte seinen Humor bis zum Schluss: Er bat die Urteilsvollstrecker, seinen Nacken zu durchtrennen, jedoch ohne seinen langen weißen Bart zu berühren. Der Hl. Laurentius lächelte humorvoll seine Vollstrecker an, die ihm auf dem Grill verbrannten, und lud sie ein, ihn zu wenden, da eine Seite bereits gar gekocht war; und der Hl. Ignatius von Antiochien, der alte Bischof der ersten Kirche, flehte die Löwen an, zu kommen um ihn zu verschlingen, sodass er schnell in die ewige Seligkeit einkehren könne.

Um sich eine solche Gelassenheit zu bewahren, in einem Zustand des Humors zu leben und ihn aus dem Blickwinkel der menschlichen Unzulänglichkeit zu betrachten, ist eine Gnade, die wir alle anstreben müssen und um die wir Gott bitten.

übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

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