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Herausforderungen der Großen Transformation (II)

22/08/2014

Im vorigen Artikel analysierten wir die Herausforderungen, welche die Transformation der Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft mit sich bringt, einschließlich ihrer doppelten Ungerechtigkeit: der sozialen und der ökologischen. Jetzt geht es uns um die Auswirkungen im ökologischen Bereich in Hinsicht auf die erweiterte ökologische, soziale, geistige und physikalische Bedeutung.

Eine einzigartige Tatsache lässt sich beobachten: Im dem Maß, in dem der Schaden für die Natur wächst und immer mehr Gesellschaften und deren Lebensqualität beeinträchtigt, wächst gleichzeitig ein Bewusstsein, dass 90 % dieser Schäden auf die unverantwortliche und irrationale Aktivität der Menschen zurückzuführen sind, insbesondere der ökonomischen, politischen und kulturellen Elite sowie der Medien, die sich selbst zu großen multilateralen Konzernen organisiert haben und nun das Geschick der Welt lenken. Es ist höchste Zeit, dass wir etwas unternehmen, um sie auf ihrem Weg zum Abgrund zu stoppen. Wie die Erd-Charta bereits warnt: „Entweder bilden wir eine globale Partnerschaft, um für die Erde und füreinander zu sorgen, oder wir riskieren, uns selbst und die Vielfalt des Lebens zugrunde zu richten.“ (Präambel)

Die ökologische Frage wurde, vor allem nach dem Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972, zu einem zentralen Thema der Politik und der weltweiten wissenschaftlichen Community sowie in den Gruppen, die sich mehr Gedanken und Sorgen über unsere gemeinsame Zukunft machen.

Das Hauptinteresse der Frage verschob sich von nachhaltigem Wachstum/Entwicklung (was unmöglich ist in der freien Marktwirtschaft) zur Nachhaltigkeit allen Lebens. Zuerst müssen wir die Nachhaltigkeit des Planeten Erde gewährleisten, die seiner Ökosysteme und aller natürlichen Bedingungen, die den Fortbestand des Lebens sichern. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, ist es möglich, über nachhaltige Gesellschaften und über nachhaltige Entwicklung zu reden oder über irgendwelche anderen Aktivitäten, die unter diese Kategorie fallen.

Der Blick der Astronauten verstärkte dieses neue Bewusstsein. Von ihren Raumschiffen oder vom Mond aus wurde ihnen bewusst, dass die Erde und die Menschheit eine einzige Wesenseinheit bilden. Sie sind weder voneinander getrennte noch parallele Realitäten. Die Menschheit ist ein Ausdruck der Erde, ihres bewussten, intelligenten Aspekts, der verantwortlich ist für die Bewahrung der Bedingungen, welche beständig Leben produzieren und reproduzieren. Im Namen dieses Bewusstseins und der Dringlichkeit entstanden das Prinzip Verantwortung (Hans Jonas) und das Prinzip Achtsamkeit (Boff u. a.), das Prinzip Nachhaltigkeit (Brundtland Report), das Prinzip der Interdependenz-Kooperation Heisenberg/Wilson/Swimme), das Prinzip Prävention/Vorsicht (UNO-Charta von Rio de Janeiro, 1992), das Prinzip Mitgefühl (Schopenhauer/Dalai Lama) und das Prinzip Erde (Lovelock und Evo Morales).

Die Überlegungen zur Ökologie stellten sich als sehr komplex heraus. Sie können nicht nur auf die Bewahrung der Umwelt reduziert werden. Das ganze Welt-System ist in Gefahr. Daher entstand eine Umwelt-Ökologie, deren Hauptziel in der Lebensqualität besteht; eine soziale Ökologie, die nach einer nachhaltigen Lebensform forscht (Produktion, Verteilung, Konsum und Abfallbehandlung); eine mentale Ökologie, die Vorurteile und Weltsichten verurteilt, welche dem Leben feindlich gesonnen sind, und die ein neues Design für die Zivilisation erarbeitet, das auf den Prinzipien und Werten beruht, wie das Gemeinsame Haus auf eine neue Weise bewohnt werden kann; und schließlich eine integrale Ökologie, die sich dessen bewusst ist, dass die Erde Teil eines sich entwickelnden Universums ist und dass wir in Harmonie mit dem Ganzen leben müssen, vereint, komplex und Sinn erfüllt.

So wurde ein theoretischer Rahmen geschaffen, um die Gedanken und die Lebenspraxis in lebensbejahender Weise auszurichten. Es wurde klar, dass die Ökologie weniger eine Technik für den Umgang mit raren Gütern ist, sondern eher eine Kunst, eine neue Art der Beziehung mit der Natur und der Erde, und die Entdeckung, dass die Aufgabe des Menschen im kosmologischen Prozess und in der Gesamtheit aller Wesen darin besteht, für diese zu sorgen und sie zu bewahren.
Überall in der Welt entstanden Bewegungen, Institutionen, Organismen, Nichtregierungsorganisationen, Forschungszentren, die alle ein Hauptaugenmerk besitzen: einigen geht es um die Wälder, anderen um die Ozeane, um die Erhaltung der Biodiversität, gefährdete Spezies, die höchst unterschiedlichen Ökosysteme, das Wasser, die Erde oder die Samen und organischen Landbau. Unter all diesen Bewegungen verdient Greenpeace besondere Beachtung für seine Beharrlichkeit und für seinen Mut zur Konfrontation, unter Inkaufnahme aller Risiken, mit denen, die das Leben und das Gleichgewicht von Mutter Erde bedrohen.

Die Vereinten Nationen selbst haben eine Reihe an Institutionen gegründet, deren Ziele die Beobachtung der Erde einschließen. Vor allem sind dies das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Biodiversitäts-Konvention (CBD) und insbesondere der Weltklimarat (IPPC) u. a.

Diese Große Transformation des Bewusstseins hat sich auf eine anstrengende Reise begeben, eine Reise, die notwendig ist, um ein neues Paradigma zu schaffen, welches in der Lage ist, die eventuelle ökologisch-soziale Tragödie in eine vorübergehende Krise zu verwandeln, welche uns einen qualitativen Sprung machen lässt in Richtung eines höheren Levels zu einer freundlichen, harmonischen und kooperativen Beziehung zwischen Erde und Menschheit. Wenn wir diese Aufgabe nicht annehmen, ist unsere gemeinsame Zukunft bedroht.

Übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

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