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Herausforderungen der Großen Transformation (III)

29/08/2014

Um eine andere Art der Großen Transformation in Bewegung zu setzen, eine, die uns eine Gesellschaft mit einem Markt zurückbringt und die destruktive Marktgesellschaft eliminiert, müssen wir einige Entscheidungen treffen, die nicht aufgeschoben werden können. Die meisten davon sind bereits auf den Weg gebracht, müssen aber bestärkt werden. Folgendes müssen wir in Bewegung bringen:
− weg vom Weltherrschafts-Paradigma, das seit vielen Jahrhunderten besteht, hin zum Paradigma der Erden-Gemeinschaft;
− weg von einer industrialisierten Gesellschaft, die die Bodenschätze ausbeutet und soziale Beziehungen zerstört, hin zu einer Gesellschaft, die alles Leben nachhaltig fördert;
− weg von der Betrachtungsweise der Erde als Produktionsmittel hin zu einem Verständnis, das sie als ein lebendiges Wesen ansieht, das Gaia, Pachamama oder Mutter Erde genannt wird;
− weg von einem Technologie-Zeitalter, das bereits einen Großteil der Biosphäre zerstörte, hin zum Ökologie-Zeitalter, in dem alles Wissen und alle Aktivitäten umweltfreundlich sind und miteinander kooperieren, um das Leben auf unserem Planeten zu schützen;
− weg von der Logik des Konkurrenzdenkens, das vom Gewinner-Verlierer-Paradigma bestimmt wird und die Menschen entzweit, hin zu einer Logik der Kooperation, die vereint und Solidarität mit allen verstärkt;
− weg vom materiellen Kapital, das immer begrenzt und nicht erneuerbar ist, hin zum unbegrenzt vorhandenen humanen Kapital, das sich in Liebe, Solidarität, Respekt, Mitgefühl und Geschwisterlichkeit unter allen Geschöpfen in der Lebensgemeinschaft ausdrückt;
− weg von einer anthropozentrischen Gesellschaft, die sich von der Natur abgegrenzt hat, hin zu einer biozentrischen Gesellschaft, die sich selbst als Teil der Natur sieht und danach strebt, ihr Verhalten der Logik des kosmischen Prozesses anzupassen, der durch Synergie, völliger Interdependenz und durch Kooperation charakterisiert ist.
Während die Große Transformation der Marktgesellschaft eine Gefahr darstellt, verspricht die Große Transformation des Bewusstseins viel. Sie ist der Triumph der Gesamtheit der Sichtweisen, Werte und Prinzipien, die mehr Menschen umfasst und einen besseren Plan für eine Zukunft mit Hoffnung für alle bereithält. Dies ist gewiss die Große Transformation von Herz und Verstand, auf die sich die Erd-Charta bezieht. Hoffen wir, dass sie vorangebracht wird und immer mehr Aufmerksamkeit gewinnt sowie alternative Praktiken, bis sie die Vorherrschaft über unsere Geschichte gewinnt.

Es gibt ein Dokument, das ich zuvor wegen seines inspirierenden Wertes und seiner Hoffnung spendenden Kraft zitierte: die Erd-Charta. Sie ist das Ergebnis einer breiten Beratung unter den unterschiedlichsten Sektoren der Gesellschaften unserer Erde, von den autochthonen Völkern und religiösen und spirituellen Traditionen bis hin zu berühmten Forschungszentren. Sie wurde insbesondere animiert durch Michail Gorbatschow, Steven Rockefeller, Ruud Lubbers (dem früheren Premierminister der Niederlande), Maurice Strong (UNO Untersekretär) und Miriam Vilela (eine Brasilianerin, die die Arbeit von Anfang an koordinierte und El Centro in Rosta Rica unterhält). Ich selbst war Teil dieser Gruppe und trug zum Verfassen des Abschlussdokuments bei, das ich so viel wie möglich zu verbreiten suche.

Nach 8 Jahren intensiver Arbeit und häufigen Zusammenkünften auf jedem Kontinent entstand ein kleines, aber kompaktes Dokument, das den besten Teil der neuen Vision aus Erd- und Lebenswissenschaften enthält, insbesondere der zeitgenössischen Kosmologie. Es werden darin Prinzipien dargelegt und Werte aus der Perspektive einer holistischen Sicht von Ökologie herausgearbeitet, die wirksam Licht auf einen viel versprechenden Weg für die Menschheit der Gegenwart und der Zukunft wirft. 2001 wurde der Text offiziell anerkannt und 2003 durch die UNESCO angenommen als eines der inspirierendsten pädagogischen Materialien in den frühen Jahres dieses neuen Jahrtausends.

Das binationale Itaipu-Wasserkraftwerk, das größte seiner Art weltweit, nahm die Vorschläge der Erd-Charta ernst, und seinen beiden Direktoren, Jorge Samek und Nelton Friedrich, gelang es, 29 am See gelegene Stadtverwaltungen am Projekt zu beteiligen, wo ungefähr eine Million Menschen leben, und die damit eine Große Transformation in die Praxis umsetzen. Prinzipien der Nachhaltigkeit werden dort wirksam angewandt, und Achtsamkeit und gemeinsame Verantwortung werden in jeder Stadtverwaltung und jedem Bereich praktiziert, wodurch sich zeigt, dass selbst innerhalb der alten Ordnung etwas Neues entstehen kann. Diese Menschen erfahren bereits das, was sie auch für andere wünschen.

Wenn wir den Traum der Erde konkretisieren, wird sie nicht zu dem verdammt sein, was sie heute ist: ein Tal der Tränen und ein Kreuzweg des Leidens für die Mehrheit der Menschen und aller Lebewesen. Die Erde kann zu einem Berg der Segnungen und der Hoffnung für unsere leidvolle Existenz werden und zu einem kleinen Auftakt der Transfiguration von Tabor.

Damit dies geschehen kann, reicht es nicht aus zu träumen. Wir müssen handeln.

übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

2 Comentários leave one →
  1. maria raimunda permalink
    01/09/2014 14:10

    como faço para obter o texto em portugues???

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