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Glaube und Politik jenseits von Fundamentalismus

07/10/2014

Wir befinden uns in einer Wahlperiode. Viele Bereiche der verschiedenen Kirchen, einschließlich der römisch-katholischen Kirche, engagieren sich für Projekte für das Land und für Kandidaten, die mehrere Stellen besetzen sollen. Dies ist der Augenblick für die Klärung des Verhältnisses zwischen Glauben und Politik.

Zuerst einmal sollten wir zwischen Politik und Politik unterscheiden, bzw. zwischen Sozialpolitik und Parteipolitik.

Die Sozialpolitik bezieht sich auf das Gemeinwohl der Gesellschaft; so fällt z. B. die Organisierung des Gesundheitswesens, des Bildungssystems, der öffentlichen Verkehrsmittel, Löhne und Gehälter etc. unter die Sozialpolitik. Sich für ein nachbarschaftliches Gesundheitszentrum einzusetzen, sich zusammenzutun, um eine Buslinie bis auf einen Berggipfel fahren zu lassen, heißt sich in der Sozialpolitik zu engagieren.

Diese Art von Politik meint das gemeinsame Streben nach dem Gemeinwohl. Alle Bürgerinnen und Bürger, alle Christinnen und Christen, ob katholisch oder evangelisch, können und müssen auf diesem Level der Politik teilnehmen.

Die Parteipolitik steht für den Kampf um die Staatsgewalt, um die Kontrolle der städtischen, staatlichen und föderalen Regierungen. Die Funktion der politischen Parteien besteht darin, Macht zu erlangen, um dies zu ändern (Befreiungsprozess) oder Macht auszuüben, wie es sich zurzeit darstellt (den Staat so, wie er ist, zu regieren). Die Partei, wie dieser Ausdruck wörtlich impliziert, ist ein Teil, ein Stück der Gesellschaft, nicht die ganze Gesellschaft. Jede Partei repräsentiert die Interessen von Gruppen oder Klassen, welche Projekte für die ganze Gesellschaft in Angriff nehmen. Erlangen sie die Staatsgewalt (Regierung), werden sie versuchen, öffentliche Politik ihrem Programm gemäß und nach der Ausrichtung der parteilichen Perspektive in die Praxis umzusetzen.

Im Hinblick auf Parteipolitik ist es wichtig, Folgendes zu bedenken: das Programm der Partei zu verstehen; welchen Platz das Volk in diesem Programm einnimmt, ob das Programm an der Parteibasis diskutiert wurde, ob es die geschichtlichen Forderungen des Volkes in Betracht zieht; ob es die Partizipation des Volkes durch dessen Bewegungen und Organe in seiner Planung, Umsetzung und Kontrolle mit einschließt; wer sind die Kandidaten, die das Programm repräsentieren, wie sieht deren Biographie aus, stehen sie auf einer Schwarzen Liste, behielten sie stets einen organischen Bezug zur Basis bei, waren sie wahrhaft mit den Fragen nach Gerechtigkeit und notwendigen sozialen Veränderungen verbunden und waren sie deren Repräsentanten, oder wollen sie die sozialen Verhältnisse so belassen, wie sie sind mit allen Widersprüchen und den damit verbundenen Ungerechtigkeiten.

Diese Art von politischer Macht wurde in der Geschichte von unseren Eliten zu deren eigenem Profit ausgeübt, wobei sie das Subjekt aller Macht, das Volk, aus den Augen verloren.

Was hat Glaube mit all dem zu tun?

Glaube hat direkt mit Gott zu tun und mit Gottes Plan für die Menschheit, doch Glaube befindet sich inmitten der Gesellschaft und ist Schöpfer von Meinungen und Entscheidungen. Er funktioniert wie ein Fahrrad: Er hat zwei Räder, durch die er in der Gesellschaft effizient ist: das Rad der Religion und das Rad der Politik.

Das Rad der Religion nimmt konkrete Gestalt an durch Gebet, Zelebrationen, Predigten und durch das Lesen der Schriften.

Durch das Rad der Politik drückt sich der Glaube aus, indem Gerechtigkeit und Solidarität praktiziert werden und Korruption angeprangert wird. Wie wir sehen können, ist Politik hier ein Synonym für Ethos. Wir müssen lernen, das Gleichgewicht über die beiden Räder zu bewahren, um korrekt handeln zu können.

Für die Bibel ist das Rad der Politik als Ethos wichtiger als das Rad der Religion als Kult. Ohne Ethos wird der Glaube leer und trägt keine Frucht. Die Praxis ist wertvoll für Gott, nicht das Predigen. Besser als auszurufen „Herr, Herr!“, ist es, den Willen des Vaters zu tun, der in Liebe, Erbarmen und Gerechtigkeit besteht, d. h. in praktischen und daher ethischen Dingen.

Ganz konkret existieren Glaube und Politik gemeinsam im Leben des Volkes. Glaube beinhaltet Politik. d. h. ein Christ muss, weil er Christ ist, nach Gerechtigkeit und sozialem Wohlergehen streben; er/sie muss sich auch für Programme und Personen einsetzen, die so dicht wie möglich an dem sind, was wir unter dem Projekt Jesu und Gottes in der Geschichte verstehen. Papst Franziskus betonte dies, als er sich in Brasilien aufhielt.

Doch Glaube reicht über Politik hinaus, denn Glaube bezieht sich auch auf das ewige Leben, auf die Auferstehung des Fleisches, auf die Transformation des Universums, etwas, das weder Sozialpolitik noch eine politische Partei oder ein Staat versprechen können.

Der Übergang von Glaube zu Parteipolitik ist kein direkter, d. h. von der Bibel lässt sich weder eine direkte Unterstützung für eine bestimmte politische Partei ableiten noch eine Wahlpflicht für eine bestimmte Person oder wie hoch das Mindesteinkommen sein sollte. Die Bibel bietet nicht die Lösungen, sondern die Inspiration, damit wir in der Lage sind, eine gute Wahl für eine Partei zu treffen und einen würdigen Lohn zu bestimmen. Für einen Christen, der dem Pfad folgt, auf dem Papst Franziskus stets beharrt, sollte Politik Folgendes sein:

befreiend: Es reicht nicht aus, die bestehende Gesellschaft zu verändern; worum es geht, ist ein anderes Modell von Gesellschaft, das eher inklusiv ist und das durch Partizipation den Weg zur sozialen Gerechtigkeit erleichert.

befreiend, beginnend bei den Armen und ausgeschlossenen Mehrheiten: Sie muss ganz unten ansetzen, denn auf diese Weise wird niemand ausgelassen. Würde sie beim Lohnempfänger ansetzen oder beim Bürgertum, würde sie von Anfang an fast die Hälfte der ausgeschlossenen Bevölkerung auslassen.

– eine Politik, die sich einer befreienden Methodik bedient, d. h. eine Politik, die Partizipation durch das Volk erleichtert, von ganz unten beginnend und von innen nach außen; eine Politik, die mehr als eine repräsentative/delegierende Demokratie bietet, sondern eine partizipative Demokratie, durch die das Volk mit seinen Organisationen beiträgt zu diskutieren, zu entscheiden und Antworten auf soziale Fragen zu finden. Dies war die große Forderung der Demonstrationen im Juni 2013, die sich nun fest verankert hat.

– eine sozio-ökologische Demokratie, welche die Rechte von Mutter Erde respektiert, die des Ökosystems, der Tiere und aller Wesen der Schöpfung, mit denen wir in Beziehungen von gegenseitiger Abhängigkeit stehen.

Diese Art von Politik ist eine der höchsten Formen von sozialer Liebe.

übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

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