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Die Bedeutung von Bio-Ökonomie oder Öko-Entwicklung

04/11/2014

Die vergangenen Präsidentschaftswahlen haben die Frage nach der Entwicklung, einem klassischen Thema der globalisierten Makro-Ökonomie, in den Vordergrund gestellt. Entweder aus Unwissenheit oder weil die Kandidaten sich dessen bewusst waren, dass sie dann alles ändern müssten, war keine Rede von so wichtigen Themen wie die Bedrohungen des Lebens und unserer Zivilisation, die durch nukleare, chemische und biologische Prozesse zerstört werden könnten, oder durch die ständig wachsende, irgendwann abrupt ansteigende Erderwärmung, die, wie viele Wissenschaftler annehmen, einen großen Teil des Lebens, wie wir es kennen, zerstören und die Menschheit selbst gefährden würde. Wie es in der Erd-Charta heißt: „Unser gemeinsames Geschick ruft uns zu einem Neubeginn auf“. Niemand wagte dies zu thematisieren, nicht einmal Marina Silva, die – was ihr großes Verdienst ist – das Paradigma der Nachhaltigkeit zur Sprache brachte.

 Was wir mit Gewissheit behaupten können, ist, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher. Der Preis des Überlebens wird ein radikaler Wechsel unserer Lebensweise auf der Erde sein. Der Entwurf der Öko-Entwicklung oder einer Bio-Ökonomie, wie Ladislau Dowbor und Ignacy Sachs u. a. Vorschlagen, ermutigt uns, diese Richtung einzuschlagen.

 Einer der ersten, die diese intrinsische Beziehung zwischen Ökonomie und Biologie erkannten, war der rumänische Ökonom und Mathematiker Nicholas Georgescu Roegen (1906-1994). Im Gegensatz zur vorherrschenden Denkweise machte dieser Autor bereits in den 1960er Jahren auf die Nichtnachhaltigkeit von Wachstum aufmerksam, da die Güter der Erde nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Er begann, von „wirtschaftlicher Reduktion, für Umweltverträglichkeit und soziale Gerechtigkeit“ zu sprechen. (www.degrowth.net). Diese Reduktion, besser als „Wachstum“ bezeichnet, bedeutet quantitatives Wachstum zugunsten von qualitativem Wachstum zu reduzieren, sodass die Güter, welcher die künftigen Generationen bedürfen, bewahrt bleiben. Tatsächlich ist die Bio-Ökonomie ein Teilsystem des Systems der Natur, das stets begrenzt ist und daher der konstanten Sorge durch den Menschen bedarf. Ökonomen müssen den Leveln von Bewahrung und Regeneration der Natur gehorchen und Folge leisten (siehe Roegens Thesen im IHU Interview von Andrei Cechin vom 28.10.2011).

 Ein ähnliches Modell namens Öko-Entwicklung und Bio-Ökonomie wird u. a. vom zuvor erwähnten Professor für Ökonomie an der Päpstlich Katholischen Universität von São Paulo, Ladislau Dowbor, vorgeschlagen, dessen Denkweise auf einer Linie liegt mit der des anderen Ökonomen, Ignacy Sachs, einem Polen, der aus Liebe die französische und brasilianische Nationalität annahm. Sachs kam 1941 nach Brasilien, arbeitete hier für einige Jahre und unterhält nun ein Zentrum für brasilianische Studien an der Universität von Paris. Er ist ein Ökonom, der 1980 die ökologische Frage aufwarf, und möglicherweise ist er der erste, der seine Überlegungen in den Kontext der Epoche des Anthropozän stellte, d. h. in den Kontext des starken Drucks, den die Aktivitäten der Menschen auf die Ökosysteme und auf den Planeten Erde als Ganzem so stark ausüben, dass die Erde aus ihrem systemischen Gleichgewicht kommt, was sich in extremen Naturereignissen manifestiert. Mit dem Anthropozän würde also eine neue geologische Ära beginnen, mit dem Menschen als globalem Risikofaktor, wie ein gefährlich niedriger und zerstörerischer Meteorit. Sachs berücksichtigt dieses neue Datenmaterial im ökologisch-sozialen Diskurs.

 Die Analyse von Dowbor und Sachs verbindet Ökonomie, Ökologie, Gerechtigkeit und soziale Inklusion. Somit entsteht ein Konzept für mögliche Nachhaltigkeit, allerdings innerhalb der Grenzen, die uns die vorherrschende industrielle, konsumgeprägte, individualistische, räuberische und die Umwelt verschmutzende Produktionsweise aufzwingt.

 Beide sind überzeugt davon, dass keine akzeptable Nachhaltigkeit erreicht werden kann, solange die soziale Ungleichheit nicht deutlich verringert wird, das Bürgertum nicht als gleichberechtigter Partner in demokratischen Prozessen aufgenommen wird, kulturelle Differenzen nicht respektiert werden, ethische Werte für den Respekt gegenüber allem Leben nicht eingeführt werden und nicht ein ständiges Augenmerk auf die Umwelt gelegt wird. Wenn diese Erfordernisse erst einmal gegeben sind, sind auch die Bedingungen für eine nachhaltige Öko-Entwicklung erfüllt.

 Nachhaltigkeit setzt eine gewisse soziale Gleichheit voraus, d. h. „ein Ausgleich zwischen reichen und armen Ländern“ und eine mehr oder weniger gleichmäßige Verteilung der Kosten und Nutzen von Entwicklung. Somit haben z. B. die ärmsten Länder ein höheres Recht auf die Verstärkung ihres ökologischen Fußabdrucks (ihren Bedarf an Land, Wasser, Nahrungsmittel und Energie zu stillen), um ihre Bedürfnisse erfüllen zu können, während die reicheren Länder ihren ökologischen Fußabdruck verringern oder zumindest unter Kontrolle bringen müssen. Es geht nicht darum, die missverstandene These des negativen Wachstums zu übernehmen, sondern darum, einen anderen Weg für Entwicklung aufzuzeigen, Produktion zu dekarbonisieren, die Umweltauswirkungen zu reduzieren und unantastbare Werte wie Großzügigkeit, Kooperation, Solidarität und Mitgefühl zur Anwendung zu verhelfen. Dowbor und Sachs wiederholen nachdrücklich, dass Solidarität einen essentiellen Aspekt der Conditio Humana darstellt, und dass der grausame Individualismus, den wir heutzutage erleben, eine Ausdrucksweise des grenzenlosen Konkurrenzdenkens und der akkumulativen Gier ist, welche zu einem Krebsgeschwür führen werden, das die Bande der Koexistenz zerstört und die Gesellschaft auf fatale Weise unnachhaltig gestaltet.

 Ihnen verdanken wir den herrlichen Begriff „Biozivilisation“, eine Zivilisation, die das Leben, die Erde, die Ökosysteme und jeden Menschen in die Mitte rückt. Daraus entstand die schöne Ausdrucksweise: „Die Erde der Guten Hoffnung“ (siehe Öko-Entwicklung: wachsen ohne zu zerstören, [Ecodesarrollo: crecer sin destruir. 1986] und das Interview in Carta Maior vom 29.08.2011).

 Dieser Entwurf scheint einer der vernünftigsten und verantwortungsvollsten Wege zu sein, wie wir den Gefahren begegnen können, die den Planeten und die Zukunft der Menschheit bedrohen. Doobors und Sachs’ Entwurf (http://dowbor.org) verdient Beachtung, denn er zeigt große Funktionalität und Tragfähigkeit.

übersezt von Bettina Gold-Hartnack

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