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Durch die Wahl von Dilma hat sich die demokratische Revolution konsolidiert

06/11/2014

Etwas Grundlegendes in der brasilianischen Geschichte standin der zweiten Runde der aktuellen Präsidentschaftswahl auf dem Spiel: unsere erste demokratische und friedliche Revolution des Volkes, die mit der Präsidentschaftsübernahme von Luiz Inacio Lula da Silva (Lula) durch Wahlen umgesetzt wurde. Dies war nicht nur ein Machtwechsel, sondern ein Wechsel der Gesellschaftsklasse. Ein Repräsentant der Verarmten und der beständig an den Rand Gedrängten schaffte es ins höchste Amt der Nation. Das war die Frucht der Arbeiterpartei PT (nach ihrem portugiesischen Namen), ihrer Verbündeten und der ausgezeichneten Kombination von sozialen Bewegungen und Gewerkschaften, und dies wurde von Dilma Rousseff fortgeführt.

Wie der berühmte Historiker José Honorio Rodrigues in seinem „Versöhnung und Reform in Brasilien“ (Conciliación y Reforma en Brasil, 1965) zum Ausdruck bringt: „Die Interessen des Volks waren von der Staatsgewalt vernachlässigt worden. Daher kam es zu Kämpfen, Rebellionen, der blutigen Geschichte,  Kompromiss und Versöhnung. Wir hatten niemals eine Revolution im Sinne von Veränderung der Wirtschaftsstruktur, des Landbesitzes und der sozialen Beziehungen. Der große Erfolg Brasiliens ist sein Volk, und die große Enttäuschung sind seine Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft.“

José Honorio fährt fort: „Die Siege des Volkes sind objektiv und unbestreitbar; … Brasilien schuldet dem Volk politische Einheit, territoriale Integration, Vermischung zwischen und Toleranz gegenüber den unterschiedlichen Volksgruppen, religiöse Homogenität, psychosoziale Integration, eine lebendige nationale Sensibilität, die von allen ausländischen Beiträgen „abrasileramiento“ verlangt“ (S. 121-122).

Diese Revolution wurde durch Lula und Dilma eingeleitet und ist noch nicht beendet, doch sie muss konsolidiert und vertieft werden. Wir wollen hoffen, dass diese Wahlen nicht vergeudet werden durch einen etwaigen Sieg eines Repräsentanten der alten Oligarchie, die sich mehr für Wirtschaftswachstum, den Markt und die Ausrichtung auf die globalisierte Makro-Ökonomie interessiert als für das Geschick der Millionen Menschen, die durch die republikanische Politik aus der Armut gehoben und zu sozialen Subjekten transformiert wurden, welche an der Gesellschaft teilhaben.

Deshalb ist es wichtig, dass Dilma gewonnen hat, um diese begonnene Revolution mit einem neuen Zyklus von Veränderungen zu erhalten, zu konsolidieren und zu bereichern.

Zu Beginn der Kolonialisierung schrieb der offizielle Chronist Pero Vaz de Caminha, dass hier „alles, was gepflanzt wird, Frucht bringt“. Die fünf Jahrhunderte der Geschichte, immer noch im Lichte des europäischen Paradigmas, bezeugen die Richtigkeit dieser Behauptung. Hier kann alles Frucht bringen und hergestellt werden, um die Teller zu füllen und den Hunger der ganzen Welt zu stillen. Was würde von einem demokratischen, sozialen, populären, ökologischen, ökumenischen und spirituellen Neues-Brasilien-Projekt ausgeschlossen werden?

Das brasilianische Volk hat sich daran gewöhnt, dem Leben die Stirn zu bieten und alles nur durch Kampf zu erreichen, d. h. mit Schwierigkeiten und durch große Anstrengung. Warum also sollte das brasilianische Volk nicht diese große und endgültige Herausforderung, die auf seinem Weg liegt, annehmen? Wie könnte es nicht mit Mut und Stärke voranschreiten, mit einem solidarischen Bewusstsein und Organisation, um die bereits seit 12 Jahren im Amt befindliche Staatsmacht zu erhalten, sie mit dem wahren Sinn zu inspirieren, wie die notwendigen Veränderungen durchgeführt werden könnten, vor allem für diejenigen, die allzu leicht vergessen werden, und auch für alle anderen, indem man ihnen Nachhaltigkeit verleiht und ihnen eine gute Zukunft für ihr Land garantiert?

Dieser Weg wurde bereits beschritten, wenn auch vieles noch zu Ende geführt werden muss. Zweimal gelang es Neuankömmlingen, die Macht zu erhalten. Die dominierenden Eliten verfügen über immer weniger Mittel, um die Macht zurückzugewinnen mit ihrem neoliberalen Projekt, das die führenden Staaten ruiniert und Hundert Millionen Menschen in Europa und in den USA Arbeitslosigkeit beschert hat.

Wir finden uns wieder in den Worten des Liedes „Die Saga des Amazonas“ des Sängers Vital Faira: „Nur der ist ein Sänger, der in sich den Geruch und die Farbe seines Landes trägt / die Blutflecken seiner Toten / und die Gewissheit des Kampfes der Lebenden“. Dieser Kampf, so hoffen wir, wird siegreich sein. Das Land wird im Glanz seines bunten Volkes erblühen wie unsere Landschaften, an denen sich unsere Augen erfreuen. Die Worte eines Gewerkschaftsführers aus den düsteren Tagen der Unterwerfung sind aktuell: „Sie können eine, zwei oder alle Blumen schneiden, doch sie können nicht die Ankunft des Frühlings verhindern“.

Der Frühling ist bereits weit vorangeschritten. Und mit der Frühlingssonne wollen wir den Sieg der Mehrheit des brasilianischen Volkes feiern (mit 54% der Stimmen), indem wir Dilma Rousseff wiedergewählt haben.

Übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

 

 

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