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Papst Franziskus gegen seine Verleumder den Rücken stärken

20/01/2015

An mehreren Orten weltweit, insbesondere jedoch in Italien, entwickelt sich unter den Kardinälen und Mitgliedern der Römischen Kurie sowie in konservativen Gruppen ein starker Widerstand gegen Papst Franziskus, um diesen zu diskreditieren. Sie bringen ihr Unbehagen zum Ausdruck und verbergen sich dabei hinter Vittorio Messori, einem bekannten laizistischen, konvertierten Schriftsteller.

Daher machte es mich traurig, als ich den Artikel von Vittorio Messori im Mailänder Corriere della Sera las, der den Titel trug: „Franziskus‘ Optionen: Zweifel am Kurs des Papstes“ (24.12.2014). Er wartete auf die Vesper des Heiligen Abend, um den Papst tief zu treffen. Messori kritisiert vor allem seine „Unvorhersehbarkeit, die nicht aufhört, die Ruhe der moderaten Katholiken zu stören.“ Hingegen bewundert Messori den linearen Kurs des „geliebten Joseph Ratzinger“ und zwischen fromme Phrasen injiziert er eine Dosis Gift. Und dies tut er, wie er selbst zugibt, im Namen derer, die nicht den Mut aufbringen, dies öffentlich zu tun.

Ich würde gern den Zweifeln des Herrn Messori etwas entgegensetzen. Er bemerkt die neuen Zeichen der Zeit nicht, die der römische Franziskus gesetzt hat. Darüber hinaus unterlaufen ihm drei Fehler: zwei Fehler theologischer Natur und ein dritter bezüglich der Interpretation der Relevanz der Kirche in der Dritten Welt.

Messori empört sich über die „Unvorhersehbarkeit“ dieses Hirten, denn dieser „hört nicht auf, die Ruhe der moderaten Katholiken zu stören.“ Man muss die Qualität des Glaubens dieses „moderaten Katholiken“ hinterfragen, dem es schwer fällt, einen Hirten zu akzeptieren, der den Geruch der Schafe an sich trägt und der „die Freude des Evangeliums“ verkündet. In der Regel sind dies kulturelle Katholiken, die an die pharonische Figur eines Papstes gewohnt sind, der mit allen Machtsymbolen des heidnischen römischen Kaisers ausgestattet ist.

Nun kommt ein „franziskanischer“ Papst daher, der die Armen in den Mittelpunkt stellt, der nicht „Prada trägt“, der mutig das System kritisiert, das Elend in vielenTeilen der Welt produziert, der die Kirche den Menschen zugänglich macht, ohne über sie zu urteilen, und der sie in dem Geist willkommen heißt, den er als eine „Revolution der Zärtlichkeit“ bezeichnete, als er zu den lateinamerikanischen Bischöfen sprach.

Messoris Denkweise weist große Lücken auf. Seine beiden theologischen Fehler bestehen in der fast völligen Abwesenheit des Heiligen Geistes und im Christomonismus (d. h. dass nur Christus zählt). Es gibt keinen Platz für den Hl. Geist. Alles in der Kirche wird allein durch Christus beschlossen. Dies stimmt allerdings nicht mit der Lehre Jesu überein. Ich sage dies deshalb, weil das, was Messori an den Aktionen des Papstes stört, dessen „Unvorhersehbarkeit“ ist. Nun aber ist gerade dies eine Eigenschaft des Heiligen Geistes, wie der Evangelist Johannes sagt: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht“ (Joh 3,8). Das Charakteristikum des Geistes ist sein unvorhersehbares Erscheinen.

Messori ist Geisel eines linearen Kurses seines „geliebten Joseph Ratzingers“ und anderer Vorgänger-Päpste. Leider machte dieser lineare Kurs die Kirche zu einer Festung, die nicht in der Lage ist, die Komplexität der modernen Welt zu verstehen, und die inmitten anderer Kirchen und spiritueller Wege isoliert da steht, ohne Dialoge zu führen und von anderen zu lernen, die ebenfalls durch den Geist erleuchtet sind. Es ist schon Blasphemie dem Hl. Geist gegenüber, zu denken, dass die Gedanken der anderen alle irrig sind. Aus diesem Grund ist eine offene Kirche, wie Papst Franziskus sie wünscht, der Schlüssel zur Erkenntnis des Geistes, wo immer er durch alle Zeiten hinweg erscheint. Nicht grundlos nennen einige Theologen ihn die „Fantasie Gottes“ wegen seiner Kreativität und Neuheit für die Geschichte und die Kirche.

Ohne den Hl. Geist würde die Kirche zu einer schweren Institution, der es an Kreativität mangelt. Am Ende hätte sie wenig in der Welt zu sagen, außer Doktrin für Doktrin von sich zu geben, und könnte nicht zu einer lebendigen Begegnung mit Christus führen oder Hoffnung und Lebensfreude erwecken.

Es ist ein Geschenk des Hl. Geistes, dass dieser Papst von außerhalb dieser alten und müden europäischen Christenheit kam. Papst Franziskus ist kein subtiler Theologe, sondern ein Hirte, der den Auftrag Jesu an Petrus versteht: „Stärke deine Brüder und Schwestern im Glauben“ (Lk 22,32). Franziskus bringt die Erfahrung der Kirchen in der Dritten Welt, insbesondere der in Lateinamerika, mit.

Es gibt noch eine andere Lücke in Messoris Denken: Er unterschätzt die Tatsache, dass die heutige Christenheit eine Religion der Dritten Welt ist, wie es der deutsche Theologe J. B. Metz so oft wiederholt hat. Katholiken stellen weniger als 25 % der europäischen Bevölkerung, während sie in der Dritten Welt fast 73 % darstellen und in Lateinamerika fast 49 %.

Warum sollten wir nicht das Neue annehmen, das von diesen Kirchen kommt, die nicht länger ein Spiegelbild der alten europäischen Kirchen sind, sondern Quellen-Kirchen mit ihren eigenen Märtyrern, Bekennern und Theologen?

Wir können uns vorstellen, dass in nicht zu ferner Zukunft der Sitz des Primas nicht mehr in Rom bei der Kurie sein wird mit allen ihren Widersprüchlichkeiten, die Papst Franziskus vor kurzem mit mutigen Worten entlarvte, wie man es nur aus dem Munde Martin Luthers kannte und aus meinem Buch „Kirche: Charisma und Macht“ (1984), das sich aus heutiger Sicht eher harmlos als kritisch liest. Es wäre sinnvoll, wenn der Hauptsitz sich dort befände, wo die Mehrheit der Katholiken lebt, also in Lateinamerika, Asien und Afrika. Dies wäre ein unmissverständliches Zeichen für die wahre Katholizität der Kirche in dieser neuen globalisierten Phase der Menschheit.

Ich hatte ernsthaft gehofft, bei Vittorio Messori auf eine größere Intelligenz des Glaubens und auf mehr Offenheit zu stoßen mit seinen Referenzen als Katholik, der dieser einen Art von Kirche gegenüber treu und ein bekannter Schriftsteller ist. Papst Franziskus hat vielen Katholiken und anderen Christen Hoffnung und frischen Wind gebracht, die sehr stolz auf ihn sind.

Wir wollen dieses Geschenk des Geistes nicht mit eher negativem als positivem Analysieren vergeuden, das die „Freude am Evangelium“ für alle nicht stärkt.

übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

 

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