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Eine Revolution innerhalb der Evolution

06/05/2015

Es gibt eine allgemeine Wahrnehmung, dass der heutige Mensch abgelöst werden muss. Die Schöpfung des heutigen Menschen ist noch nicht abgeschlossen, sondern befindet sich latent in der Dynamik des Evolutionsprozesses. Diese Suche nach dem neuen Mann und der neuen Frau ist vielleicht eine der Sehnsüchte, die im Lauf der Geschichte niemals abgeschlossen wurde.

 

Zwei Beispiele: Das mesopotamische Denken schuf das Gilgamesch Epos des 7. Jh n. Chr, das der biblischen Erzählung der Schöpfung und Sintflut sehr ähnlich ist. Der Held Gilgamesch, verzweifelt über die Tragik des Todes, sucht nach dem Baum des Lebens. Er möchte Utnapishtim finden, der der Flut entkam, unsterblich geworden war und auf einer wunderbaren Insel lebte, die nicht vom Tod regiert wurde. Auf seinem Weg empfahl ihm Shamash, der Sonnengott: „Gilgamesch, du wirst niemals den Baum finden, nach dem du suchst.“ Die göttliche Nymphe Siduri warnt ihn: „Als die Götter die Menschen schufen, beschlossen sie den Tod als deren Schicksal; die Götter behielten das ewige Leben für sich selbst. Gilgamesch , du tätest besser daran, deinen Magen zu füllen und dich Tag und Nacht des Lebens zu freuen; sei glücklich über das Wenige, über das du verfügen kannst.“

 

Gilgamesch lässt sich nicht von seiner Suche abbringen. Er erreicht die Insel der Unsterblichkeit, greift sich den Baum des Lebens und kehrt zurück. Auf seinem Rückweg bläst die Schlange ihren bösen Atem über den Baum und stiehlt ihn. Der Held des Epos stirbt desillusioniert und kommt ins „Land ohne Wiederkehr, wo man Staub und Schlamm isst und wo die Könige ihrer Krone beraubt sind.“ Unsterblichkeit ist weiterhin das Ziel immer währender Suche.

 

Unsere Tupi-Guarani und Apopocuva-Guarani entwarfen die Utopie der “Erde ohne das Böse” und das “Mutterland der Unsterblichkeit”. Diese beiden Nationen lebten in ständiger Bewegung. Von der Küste von Pemambuxo bewegten sie sich plötzlich auf das Innere des Dschungels zu, in der Nähe des Quellgebiets des Madeira Flusses. Von dort aus ging eine andere Gruppe nach Peru. Von der Grenze Paraguays wanderte wieder eine andere Gruppe zur Atlantikküste etc. Die von Anthropologen durchgeführten Studien über die Mythen deckten deren Bedeutung auf. Der Mythos der „Erde ohne das Böse“ inspirierte eine ganze Nation dazu, sich auf den Weg zu begeben. Der Shaman sagte voraus: „Sie wird aus dem Meer auftauchen.“ Voller Hoffnung begaben sie sich dorthin. Durch Riten, Tänze und Fasten glaubten sie ihre Körper erleichtern zu können, um der Begegnung mit dem „Mutterland der Unsterblichkeit“ in den Wolken entgegenzugehen. Desillusioniert kehrten sie in den Dschungel zurück, bis sie eine andere Botschaft vernahmen und sich erneut auf die Suche nach der ersehnten „Erde ohne das Böse“ begaben, voll Sehnsucht nach einer niemals endenden Hoffnung.

 

Diese zwei Beispiele drücken in mythischer Form dasselbe Konzept aus wie es heutzutage von dem modernen Menschen in der Sprache der Wissenschaft ausgedrückt wird. Er will nicht auf das neue Wesen vom Himmel warten, er möchte es selbst schaffen durch genetische Manipulation. Wir suchen weiterhin, und dennoch sterben wir noch immer früher oder später.

 

Auch das Christentum hat sich dieser Utopie verschrieben, mit dem Unterschied, dass es für die Christenheit nicht länger eine Utopie ist, sondern eine Topie, d. h. ein gesegnetes und noch nie dagewesenes Ereignis, das in der Geschichte auftrat. Das älteste Zeugnis der frühen Christenheit ist dies: „Christus ressurrexit vere et aparuit Simoni“ (Lk 24,34): „Christus ist wahrhaft auferstanden und ist dem Simon erschienen“.

 

Sie verstanden Auferstehung nicht als die Wiederbelegung des Körpers, so wie bei Lazarus, der schließlich auch wieder sterben musste, sondern als das Erscheinen des neuen Menschen, des „novissiums Adam“ (1 Kor 15,45), des „neuen Adam“, als eine völlige Realisierung aller im Menschen ruhenden Potenziale.

 

Sie fanden keine adäquaten Worte, um dieses noch nie dagewesene Phänomen zum Ausdruck zu bringen. Sie nannten es „Geistkörper) (1 Kor 15,44). Dies scheint der vorherrschenden Philosophie dieser Zeit zu widersprechen: Wenn es ein Körper ist, kann es kein Geist sein; ist es ein Geist, kann es kein Körper sein. Nur in der Vereinigung der beiden Konzepte, den frühen Christen zufolge, konnten sie der neuen Wirklichkeit gerecht werden: Es ist ein Körper, jedoch ein transfigurierter; es ist ein Geist, doch befreit von den materiellen Grenzen und mit kosmischer Dimension.

 

Sie sagen noch mehr: Die Auferstehung ist nicht einfach ein persönliches Ereignis, das im Leben des Jesus von Nazareth stattfand. Sie gilt für alle, einschließlich des Kosmos, wie es in den Briefen des Hl. Paulus an die Kolosser und an die Epheser heißt. Darum bekräftigt Paulus: „Er ist die Hoffnung aller, die gestorben sind … Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1 Kor 15,22).

 

Dies ist ein Diskurs über Glaube und Religion, doch er ist auch von anthropologischer Wichtigkeit. Er repräsentiert eine von vielen Antworten auf das Rätsel des Todes, vielleicht die vielversprechendste.

 

Wenn dem so ist, haben wir es mit einer Revolution innerhalb der Evolution zu tun. Es ist als hätte die Evolution ihr gutes Ende im Zenit der Realisierung ihrer verborgenen Potenziale vorweggenommen. Es wäre ein Modell, das uns die Herrlichkeit und das außerordentlich wunderbare Geschick vor Augen führt, zu dem wir gerufen sind.

 

Also lohnt es sich zu leben und zu sterben. In Wirklichkeit leben wir nicht, um zu sterben. Wir sterben, um aufzuerstehen. Um mehr und besser zu leben.

 

Allen, die glauben, und denjenigen, die aufhören zu richten, wünsche ich ein gutes und frohes Osterfest.

Ubersetzt con Bettina Gold-Hartnack

 

One Comment leave one →
  1. 06/05/2015 14:58

    Republicou isso em Fonte da arte.

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