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Was werden unsere Kinder und Enkel zu uns sagen?

09/06/2015

Alle Länder, vor allem diejenigen, die wie Brasilien im Jahr 2015 eine Finanzkrise erleiden, sind von einer beständigen Vorstellung besessen: Wir müssen wachsen; wir müssen das Wachstum des BSP sichern, d. h. die Summe allen im Lande erschaffenen Reichtums. Dieses Wirtschaftswachstum betrifft grundlegend die Produktion materieller Güter. Es schafft einen hohen Grad an sozialer Ungleichheit (Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen) und führt zu einer perversen Zerstörung der Umwelt (Erschöpfung der Ökosysteme).

Tatsächlich sollten wir zuerst über die Art der Entwicklung sprechen, die essentielle nicht-materielle Elemente beinhaltet, vor allem solche subjektiven und humanistischen Dimensionen wie die Ausdehnung der Freiheit, Kreativität und der Möglichkeiten, sein Leben selbst zu gestalten. Leider sind wir alle von diesem Wachstum in Geiselhaft genommen. Vor langem wurde das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Umweltschutz zugunsten des Wachstums zerstört. Der Konsum übersteigt bereits um 40 % die Kapazitäten unseres Planeten, seine Ressourcen zu erneuern. Und die Erde ist dabei, ihre Nachhaltigkeit zu verlieren.

Wir wissen inzwischen, dass die Erde ein sich selbst regulierendes Lebenssystem ist, in dem alle Faktoren interagieren (Gaia-Theorie), um ihre Ganzheit aufrechtzuerhalten. Doch ihre Selbstregulierung funktioniert nicht mehr. Daher kommt der Klimawandel, gibt es extreme Ereignisse (starke Winde, Tornados, Klimaderegulierung) und die globale Erwärmung, die uns mit schweren Katastrophen böse überraschen kann).

Die Erde sucht ein neues Gleichgewicht, indem sie ihre Temperatur um 1,4 bis 5,8 Grad erhöht. Dies würde zu einer Ära großer Zerstörungen führen (Anthropozän) mit gestiegenem Meereslevel, von denen mehr als die Hälfte der Menschheit betroffen sein werden, die an den Küsten leben. Tausende von lebedigen Organismen würden nicht genug Zeit haben, um sich anzupassen oder die schädigenden Auswirkungen abzumildern, und würden von der Erdoberfläche verschwinden. Ein Großteil der Menschheit selbst, bis zu 80 % sagen manche, könnten auf einem Planeten, dessen physikalisch-chemische Grundlage so profund verändert wäre, nicht überleben.

Der Umweltforscher Washington Novaes ist sich gewiss: „Jetzt geht es nicht mehr darum, sich um die Umwelt zu kümmern, sondern darum, die Limits, die das Leben gefährden könnten, nicht zu überspannen.“ Manche Wissenschaftler behaupten, wir hätten den Punkt des No-Return erreicht. Die auf uns zukommende Krise lässt sich verlangsamen, nicht aber stoppen.

Diese Frage ist unbequem. In ihren offiziellen Reden sprechen Staatsoberhäupter, Geschäftsleute und – noch schlimmer – die wichtigsten Ökonomen selten die Grenzen des Planeten und die daraus resultierenden Probleme für unsere Zivilisation an. Wir wollen nicht, dass unsere Kinder und Enkel uns verfluchen, wenn sie auf die Vergangenheit schauen, denn obwohl wir von den Gefahren wussten, taten wir nichts oder wenig, um die Tragödie zu vermeiden.

Der Fehler eines jeden muss möglicherweise wortwörtlich den merkwürdigen Anweisungen von Lord Keynes folgen, um der großen Depression der 1930er Jahre zu entrinnen:

„Mindestens ein Jahrhundert lang machten wir uns selbst und allen anderen vor, dass Schönes schmutzig ist und dass Schmutziges schön ist, denn das Schmutzige ist nützlich, und das Schöne ist nutzlos. Gier, Profitsucht, Misstrauen müssen unsere Götter sein, denn diese werden uns zum Ende des Tunnels ökonomischen Bedarfs ans Tageslicht führen … Nach all dem wird die Rückkehr zu einigen sichereren und gewissen Prinzipien von Religion und traditionellen Tugenden erfolgen: dass Gier ein Laster ist, Profitsucht ein Verbrechen und die Liebe zum Geld verachtenswert“ (Economic Possibilities of our Grand-Children – Ökonomische Möglichkeiten unserer Enkel). So denken die Hauptverantwortlichen für die Krise von 2008, die niemals bestraft wurden.

Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Ziele neu definieren und nach den geeignetsten Mitteln forschen, um sie zu erreichen. Es kann bei ihnen nicht länger darum gehen, zu produzieren, während die Natur zerstört wird, und grenzenlos zu konsumieren. Niemand hat eine Lösung für diese Zivilisationskrise. Doch wir vermuten, dass wir uns von der Weisheit der Natur selbst leiten lassen müssen: Respekt für ihren Rhythmus aufbringen, für ihre Belastungskapazität, das Hauptaugenmerk nicht auf Wachstum, sondern auf Nachhaltigkeit legen. Würden unsere Produktionsweisen die natürlichen Zyklen respektieren, dann gäbe es sicher genug für alle und wir würden die Natur, deren Teil wir sind, bewahren.

Wir bekleben die Wunden der Erde mit Pflaster. Linderung keine Lösung. Wir beschränken uns vor allem aufs Lindern und habe dabei die Illusion, wir lösten die dringenden Probleme, bei denen es um Leben und Tod geht.

uberseetzt von Bettina Gold-Hartnack

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