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Papst Franziskus: eine Kirche im Aufbruch – woher und wohin?

02/08/2015

Während wir uns noch immer über die außerordentliche Enzyklika über die „Achtsamkeit für das Gemeinsame Haus“ begeistern, denken wir erneut über eine wichtige Sichtweise des Papstes nach, den treffenden Ausdruck seines Verständnisses von Kirche als „eine Kirche im Aufbruch“. Dieser Ausdruck transportiert eine verdeckte Kritik am bisherigen Kirchen-Modell. Es handelte sich um eine „eingesperrte“ Kirche, wenn man die diversen Moral- und Finanzskandale bedenkt, welche Papst Benedikt XVI zum Rücktritt zwangen, eine Kirche, die ihren wichtigsten Vorzug verloren hatte: den Moralanspruch und die Glaubwürdigkeit unter Christen in der säkularen Welt.

Doch die Vorstellung einer „eingesperrten Kirche“ hat eine noch tiefere Bedeutung, was darin begründet ist, dass der Papst von außerhalb der institutionalisierten Bereiche der alten und müden europäischen Christenheit stammt. Diese hat die Kirche in ein Verständnis gepresst, das sie für die modern Denkenden unakzeptabel machte, zur Geisel der verknöcherten Traditionen und ausgerüstet mit einer Botschaft, die die Probleme der Christen und der Welt von heute nicht ansprach. Die „Kirche im Aufbruch“ markiert einen Bruch mit diesem Zustand. Das Wort „Bruch“ ärgert die Repräsentanten des kirchlichen Establishments, doch dies macht es nicht weniger wahr. Nun stellt sich die Frage: „Aufbruch“ woher und wohin?

Wir wollen einige Schritte näher untersuchen:

Aufbruch von einer Festung-Kirche, die die Gläubigen von modernen Freiheiten abschirmt, hin zu einer Feldlazarett-Kirche, die sich um alle kümmert, die zu ihr kommen, ungeachtet der Unterschiede hinsichtlich moralischer oder ideologischer Fragen.

  • Aufbruch von einer um sich selbst kreisenden, absolutistischen Institutions-Kirche hin zu einer Bewegungs-Kirche, die offen ist für den universalen Dialog mit anderen Kirchen, Religionen und Ideologien.
  • Aufbruch von einer hierarchischen Kirche, die Ungleichheiten schafft, hin zu einer Kirche des Gottesvolkes, für die alle Brüder und Schwestern sind: eine riesige geschwisterliche Gemeinschaft.
  • Aufbruch von einer autoritären Kirche der Geistlichkeit, die sich von den Gläubigen abgrenzt oder diese sogar verleugnet, hin zu einer pastoralen Kirche, die gemeinsam mit dem Volk unterwegs ist, voll Barmherzigkeit und mit Stallgeruch.
  • Aufbruch von einer Papst-Kirche aller Christen und Bischöfe, die mit rigorosem kanonischem Recht regieren, hin zu einer Kirche des Bischofs von Rom, der in Güte vorsitzt und nur durch diese Güte zum Papst der universellen Kirche wird.
  • Aufbruch von einer lehrmeisterlichen Kirche der Doktrinen und Normen hin zu einer Kirche mit überraschender Praxis und liebevollen Begegnungen mit Menschen ungeachtet ihrer religiösen, moralischen oder ideologischen Zugehörigkeit. Die existenzielle Peripherie gerät so in den Mittelpunkt.
  • Aufbruch von einer Kirche der sakralen Macht, Pomp und Pracht mit päpstlichen Palästen und Adelstiteln aus der Renaissance hin zu einer Kirche der Armen und für die Armen, ihrer Ehrensymbole entledigt, Diener und prophetische Stimme gegen das System der Anhäufung von Reichtum, jenes Idol, welches Leid und Elend erzeugt und Menschen tötet.
  • Aufbruch von einer Kirche, die zu den Armen spricht, hin zu einer Kirche, die zu den Armen geht, sich mit den Armen austauscht, sie umarmt und verteidigt.
  • Aufbruch von einer Kirche, die sich gleichermaßen von Politik und Wirtschaftssystem distanziert, hin zu einer Kirche, die Partei für die Opfer ergreift und die Verantwortlichen der Ungerechtigkeiten beim Namen nennt, die Repräsentanten von weltweiten Sozialbewegungen nach Rom einlädt, um mit ihnen über Alternativen nachzudenken.
  • Aufbruch von einer sich selbst lobenden und unkritischen Kirche hin zu einer Kirche, die ehrlich mit sich selbst umgeht und mit jenen Kardinälen, Bischöfen und Theologen, die stolz auf ihre Titel sind, doch mit einem säuerlichen Karfreitags-Gesicht herumlaufen, als gingen sie zu ihrer eigenen Beerdigung, hin zu einer Kirche, die ja schließlich aus Menschen besteht.
  • Aufbruch von einer Kirche von Recht und Gesetz hin zu einer Kirche der Revolution der Zärtlichkeit, Barmherzigkeit und Achtsamkeit.
  • Aufbruch von einer Kirche der Frommen, die so sind wie die im Fernsehen auftretenden Show-Priester-Künstler des religiösen Markts hin zu einer Kirche, die sich der sozialen Gerechtigkeit und der Befreiung der Unterdrücken verschrieben hat.
  • Aufbruch von einer Gehorsams- und Verehrungskirche hin zu einer Kirche, die sich über das Evangelium freut und noch Hoffnung für diese Welt hat.
  • Aufbruch von einer weltfremden Kirche, die es möglich machte, dass es zu einer Welt ohne Kirche kam, hin zu einer Welt-Kirche, die empfindsam für die Probleme der Ökologie und der Zukunft unseres Gemeinsamen Hauses, der Mutter Erde, ist.

Diese und andere Beispiele zeigen, dass die Kirche nicht dazu verdammt ist, nur eine religiöse Mission zu sein, eingeengt in einen kleinen Bereich unserer Realität. Die Kirche besitzt auch eine sozio-politische Mission im wahrsten Sinn des Wortes, als Inspirationsquelle für die notwendigen Veränderungen, die die Menschheit erheben können zu einer Zivilisation der Liebe und des Mitgefühls, weniger individualistisch, materialistisch, zynisch und unsolidarisch.

Diese Kirche-auf-dem-Weg hat den Christen ihre Freude und Hoffnung zurückgegeben und ist wieder zu einem spirituellen Zuhause geworden.

Durch ihre Einfachheit und liebevolles Willkommenheißen hat sie die Zuneigung vieler Menschen anderer Konfessionen und von Weltbürgern im Allgemeinen und sogar von Staatsoberhäuptern erlangt, die die Person des Papstes Franziskus mit seinen überraschenden Praktiken zugunsten von Frieden, Dialog zwischen den Völkern und Verzicht auf jegliche Gewalt und Krieg, bewundern.

Mehr als Doktrin und Dogma lässt sich die Tradition Jesu zusammenfassen mit bedingungsloser Liebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl, die durch Ihn aktualisiert wird und ihre unerschöpfliche humanisierende Energie zum Vorschein bringt. Dies ist u. a. die wahrhaft zentrale Botschaft Jesu, die von allen Menschen in allen Teilen der Welt angenommen werden kann.

 

 

One Comment leave one →
  1. maria Terezinha de Jesus de Oliveira permalink
    06/08/2015 23:09

    Gostaria de receber em português.

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