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Sind sie nicht Menschen, unsere Brüder und Schwestern?

28/09/2015

Der Grad an Zivilisation und Menschlichkeit einer Gesellschaft misst sich daran, wie sie diejenigen, die anders sind, willkommen heißt und mit ihnen zusammenlebt. An diesem Maßstab gemessen bietet Europa ein erbärmliches Beispiel, das an Barbarei grenzt. Europa zeigt sich so egozentrisch und selbstgefällig, das es ihm extrem schwer fällt, Andere willkommen zu heißen und mit ihnen zusammen zu leben.

Die allgemeine Strategie war und ist noch immer: den Anderen entweder auszuschließen oder zu zerstören. Genau dies geschah während der sich ausdehnenden Kolonialisierung in Afrika, Asien und hauptsächlich in Lateinamerika. Sie zerstörte ganze Nationen wie in Haiti, Mexiko und Peru.

Die wesentliche Beschränkung der westeuropäischen Kultur ist ihre Arroganz, die sich darin zeigt, dass sie sich für die am weitest entwickelte der Welt hält, dass sie glaubt, die beste Regierungsform (Demokratie) zu besitzen, das größte Rechtsbewusstsein, Schöpfer der Philosophie und Technologie zu sein und, als wäre dies noch nicht genug, Träger der einen, wahren Religion: des Christentums. Spuren dieser Arroganz finden sich immer noch in der Präambel der Konstitution der Europäischen Union. Dort heißt es lapidar:

„Der europäische Kontinent ist der Träger der Zivilisation, sein Volk bewohnte ihn seit Beginn der Menschheit in sukzessiven Phasen, und durch die Jahrhunderte entwickelten sie die Werte, die die Grundlage der Menschheit sind: Gleichheit aller Menschen, Freiheit und der Wert der Vernunft…“

Dieser Blickwinkel ist nur teilweise richtig. Er vergisst die häufigen Verstöße gegen diese Rechte, die Katastrophen, die Europa mit totalitären Ideologien verursachte, mit zerstörerischen Kriegen, erbarmungslosem Kolonialismus und wildem Imperialismus, der sich ganze Kulturen in Afrika oder in Lateinamerika unterwarf und zerstörte, ganz im Gegensatz zu den Werten, die es proklamiert. Der dramatische Zustand der heutigen Welt und die großen Zahlen an Flüchtlingen, die aus den Mittelmeerstaaten kommen, sind zum Großteil auf die Art der Globalisierung zurückzuführen, die Europa unterstützt, da es, konkret gesagt, eine Art von später Verwestlichung der Welt konstituiert, weniger die Entwicklung einer wahren globalen Gemeinschaft.

Dies ist der Hintergrund, der uns hilft, die Zweideutigkeit und den Widerstand der meisten europäischen Länder zu verstehen, Flüchtlinge und Immigranten bei sich aufzunehmen, die aus den Ländern Nordafrikas und dem Mittleren Osten kommen, von wo sie den Terror des Krieges fliehen, welcher zum Großteil durch westliche Intervention (NATO) und vor allem durch die imperialistische Politik der Vereinigten Staaten hervorgerufen wurde.

Gemäß den Daten des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) wurden allein in diesem Jahr 60 Millionen Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Allein der syrische Konflikt ist verantwortlich für 4 Millionen Vertriebene. Die Länder, die am ehesten bereit sind, diese Opfer bei sich aufzunehmen, sind der Libanon mit über einer Million (1,1 Millionen) Flüchtlingen und die Türkei (1,8 Millionen).

Nun suchen Tausende von Menschen ein bisschen Frieden in Europa. Allein in diesem Jahr überquerten fast 300.000 Migranten und Flüchtlinge das Mittelmeer. Und ihre Anzahl steigt täglich. Sie werden mit Feindseligkeit empfangen. Faschistische und fremdenfeindliche Gesinnung in der Bevölkerung zeugen von großer Gefühllosigkeit, wenn nicht sogar von Mangel an Menschlichkeit. Erst nach der Tragödie von Lampedusa, der südlichen Insel Italiens, wo im April 2014 700 Menschen ertranken, wurde die Operation Mare Nostrum gestartet, die zur Aufgabe hat, nach Schiffen in Seenot zu suchen.

Die Aufnahme der Flüchtlinge wird von Vorfällen, besonders in Spanien und England, begleitet. Als das offenste und gastfreundlichste Land, ungeachtet der Anschläge auf Flüchtlingslager, hat sich Deutschland gezeigt. Die faschisten-freundliche Regierung Ungarns von Viktor Organ hat den Flüchtlingen den Krieg erklärt. Sie traf eine Entscheidung großer Barbarei, indem sie die Errichtung eines vier Meter hohen Stacheldraht-Zauns entlang der gesamten Grenze zu Serbien anordnete, um die Ankunft der Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten zu versperren. Die Regierungen der Slowakei und Polens erklärten, sie würden nur christliche Flüchtlinge aufnehmen.

Diese Maßnahmen sind kriminell. Handelt es sich bei den Leidenden denn nicht um Menschen? Sind sie nicht unsere Brüder und Schwestern? Immanuel Kant war mit seinem letzten Buch „Zum ewigen Frieden“ einer der Ersten, die den Vorschlag einer Weltrepublik machten. Er sagte, die wichtigste Tugend dieser Republik wäre die Gastfreundschaft als das Recht aller, und sie muss für alle gelten, denn wir alle sind Kinder dieser Erde.

All dies wird durch die Mitglieder der Europäischen Union schamhaft verleugnet. Die jüdisch-christliche Tradition bekräftigte stets, dass derjenige, der den Fremden bei sich aufnimmt, unwissentlich Gott aufnimmt. Die Worte der Quantenphysikerin Danah Zohar, die sich am treffendsten über spirituelle Intelligenz ausdrückt, passen gut hierher: „In Wahrheit sind wir und die anderen eins, es gibt keine Trennung, wir und der „Fremde“ sind Aspekte des einen und einzigen Lebens“ (Conciencia espiritual, Record 2002, S. 219). Wie verschieden wäre das Geschick der Flüchtlinge, wenn diese Worte leidenschaftlich und voller Mitgefühl gelebt würden.

übersetzt von Bettina Gold-Harnack

 

 

 

 

 

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