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Der kosmische Christus: eine Spiritualität des Kosmos

22/10/2016

Eine der beharrlichsten Forschungsrichtungen unter den Wissenschaftlern, die mit den Wissenschaften der Erde und des Lebens zu tun haben, ist die nach der Einheit des Ganzen. Sie sagen: “Wir müssen die Formel finden, die alles erklärt. Dann können wir den Geist Gottes entdecken.” Diese Forschung nennt sich “Die Theorie der Großen Vereinigung” oder “Quantenfeldtheorie” oder noch pompöser “Die Theorie des Ganzen”. Trotz intensivster Bemühungen schlossen sie frustriert damit ab oder, wie der große Mathematiker Steven Hawking, gaben diesen Anspruch wegen seiner Unmöglichkeit auf. Das Universum ist viel zu komplex, um einfach durch eine einzige Formel erklärt zu werden.

Dennoch kam man durch die Forschung der mehr als hundert subatomaren Teilchen und der Ur-Energien zur Erkenntnis, dass sie alle zum sogenannten “Quanten-Vakuum” führen, das weniger ein Vakuum ist als die Fülle aller Möglichkeiten. Dieser bodenlosen Tiefe entstammen alle Wesen und das gesamte Universum. Es wird dargestellt als ein riesiger Ozean an Energien und grenzenloser Potenzialen. Andere nennen es die “Quelle alles Seins” oder den “nährenden Abgrund von allem”.

Interessanterweise bezeichnet es Brian Swimme, einer der bekanntesten Kosmologen, als das Unaussprechliche und das Mysteriöse (The Hidden Heart of the Cosmos, 1996). Dies sind Eigenschaften, die die Religionen der Ersten Wirklichkeit zuordnen, die tausend verschiedene Namen trägt: Tao, JHWH, Allah, Olorum, Gott … Ein mit Energie geschwängertes Vakuum. Wenn das nicht Gott ist (Gott kommt immer zuerst), so ist es seine beste Metapher und Darstellung.

Nicht die Materie ist die Basis, sondern das geschwängerte Vakuum ist es. Es ist die Ur-Quelle. Der berühmte nordamerikanische Ökologe/Kosmologe, Thomas Berry, schrieb: “Wir müssen spüren, dass wir mit derselben Energie angefüllt sind, die das Entstehen der Erde, der Sterne und der Galaxien verursachte. Dieselbe Energie schuf alle Formen von Leben sowie das reflektierende Bewusstsein der Menschen. Es ist das, was die Poeten inspiriert, die Denker und Künstler aller Zeiten. Wir sind in einen Ozean von Energie eingetaucht, der unseren Verstand bei weitem überschreitet. Doch letztlich ist diese Energie nicht durch Beherrschung, sondern durch Erflehung die unsere” (The Great work, 1999, S. 175), d. h. indem wir uns ihr öffnen.

Wem dem so ist, dann entsprang alles Existierende dieser Energiequelle: Kulturen, Religionen, das Christentum selbst und sogar solche Persönlichkeiten wie Buddha, Moses, Jesus und jede/r Einzelne von uns. Alles wurde innerhalb des kosmogenen Prozesses geschaffen als noch komplexere Ordnungen entstanden, die noch stärker internalisiert und mit allen Wesen eng verbunden sind. Ist ein gewisses Maß dieser Ur-Energie akkumuliert, dann kommt es zu historischen Ereignissen und zur Erstehung jeder individuellen Person.

Wer die Schöpfung des Christus in diesem Kosmos sah, war der Jesuit, Paläonthologe und Mystiker, Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955), der den christlichen Glauben mit dem Gedanken einer weiteren Evolution und der neuen Kosmologie versöhnte. Teilhard unterscheidet zwischen “christsisch” und “christlich”. Das Christische zeigt sich in einem objektiven Datum inmitten des Evolutionsprozesses. Es wäre die Verbindung, die alles miteinander vereint. Da es sich bereits hierin befand, konnte eines Tages in der Geschichte die Person des Jesus von Nazareth auftauchen, derjenige, “durch den alles ist und auf den hin alles geschaffen ist”, wie der Hl. Paulus sagt.

Also wird das Christische, wenn es subjektiv erkannt und innerhalb des Bewusstseins einer Gruppe transformiert wird, zum Christlichen. Dann entsteht historische Christenheit, begründet in Jesus, dem Christus, der Inkarnation des Christischen. Daraus folgt, dass sich seine letzten Wurzeln nicht im ersten Jahrhundert Palästinas befinden, sondern inmitten des eigentlichen Prozesses der kosmischen Evolution.

Der heilige Augustinus erfasste in seinem Brief an einen heidnischen Philosophen (Epistel 102) intuitiv: “Das, was nun den Namen einer christlichen Religion trägt, existierte bereits zuvor und war im Ursprung der Menschheit nicht abwesend bis Christus im Fleisch erschien; eher war es so, dass die wahre Religion, die bereits existiert hatte, begann “christlich” genannt zu werden.”

Eine ähnliche Überlegung findet sichi m Buddhismus. Dort gibt es die Buddha-Natur (die Fähigkeit zur Erleuchtung), die zu erreichen man sich während des Evolutionsprozesses bemühte, bis Siddharta Gautama erschien und der Buddha wurde. Dies konnte sich nur in der Person des Gautama manifestieren, denn die Buddha-Natur gab es bereits zuvor in der Geschichte. So wurde er der Buddha wie Jesus der Christus wurde.

Wird dieses Verständnis so weit verinnerlicht, dass es unsere Wahrnehmung der Dinge, der Natur, der Erde und des Universums verändert, so öffnet sich der Weg für eine kosmische spirituelle Erfahrung, für die Kommunion mit allen und mit jeder/m. Durch diesen spirituellen Weg wird uns das bewusst, wonach die Wissenschaftler durch die Wissenschaft streben: eine Verbindung, die alles vereint und voran bringt.

Leonardo Boff  Theologe und Philosoph von der Erdcharta Kommission   und hat das Buch In Ihm hat alles Bestand: der kosmische Christus und die modernen Naturwissenschaften Butzond&Bercker, Kevelaer 2013.

Übersetzt von Bettina Gold-Hartnack

 

 

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