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Weihnachten zur Zeit des Herodes

29/12/2016

Dieses Jahr wird Weihnachten anders sein. Normalerweise ist es ein Fest, an dem sich die Familie trifft. Christen feiern das Christkind, das kam, um unser Menschsein anzunehmen und es besser zu machen.

In Wahrheit jedoch ist es der Ort, an dem die schreckliche Figur des Herodes des Großen (73 v.Chr. – 4 n. Chr.) auftrat, den man mit dem Ermorden der unschuldigen Kinder in Verbindung bringt. Als er hörte, dass in seinem Königreich Judäa ein neuer König geboren worden war, fürchtete er um seine Macht. So befahl er das Ermorden aller kleinen Jungen unter zwei Jahren. Dann hören wir eine der traurigsten Stellen in der Bibel: „Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen. Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren dahin“ (Mt. 2,18).

Die Geschichte vom Ermorden der Unschuldigen geht in anderer Form weiter. Die ultrakapitalistische Politik, die die gegenwärtige brasilianische Regierung ausübt, indem sie Rechte annulliert, Gehälter kürzt, soziale Errungenschaften wie das Gesundheitswesen, Bildung, soziale Sicherheit und Renten zurückfährt und für die nächsten 20 Jahre die Entwicklungsmöglichkeiten einfriert, hat zur Konsequenz das perverse und langsame Ermorden der Unschuldigen, die zum Großteil aus den Armen unseres Landes Brasilien bestehen.

Die tödlichen Folgen, die aus der Entscheidung resultieren, den Markt als wichtiger zu erachten als unbekannte Personen, sind für den Gesetzgeber nicht neu. Innerhalb von wenigen Jahren werden wir eine Klasse von Superreichen haben (zurzeit sind es 1.440 gemäß der IPEA, d. h. ca. 0,05 % der Bevölkerung Brasiliens), eine Mittelklasse, die befürchtet, ihren Status zu verlieren, und Millionen von brasilianischen Armen sowie die Ausgeschlossenen, die aus der Armut ins Elend fielen. Dies impliziert hungernde Kinder, die wegen Unterernährung und völlig vermeidbaren Krankheiten sterben, Erwachsene, die weder einen Zugang zu Medikamenten noch zum öffentlichen Gesundheitswesen haben und zum vorzeitigen Sterben verurteilt sind. Dieses Abschlachten hat einen Urheber: ein Großteil der heutigen Gesetzgeber von der sogenannten „PEC des Todes“ können nicht von der Schuld freigesprochen werden, der heutige Herodes des brasilianischen Volkes zu sein.

Der wohlhabenden Elite und den Privilegierten gelang die Rückkehr. Mit der Unterstützung der korrupten Parlamentarier, mit dem Rücken zum Volk und taub für die Proteste auf den Straßen, durch eine Koalition der Mächte, bestehend aus Polizisten, der Staatsanwaltschaft, der Militärpolizei und Teilen der Justizgewalt und der körperschaftlichen und reaktionären Massenmedien und nicht ohne den Rückhalt durch die imperiale Macht, die sich für Brasiliens Reichtum interessiert, erzwangen sie die Ausgrenzung von Präsidentin Dilma Rousseff. Der wahre Motor dieses Coups besteht aus dem Finanzkapital, den Banken und Darlehensgebern (die nicht von der Politik der Haushaltsanpassungen betroffen sind).

Der Politikwissenschaftler Jesse Souza prangert nicht grundlos an: Brasilien ist die Bühne, auf der der Konflikt zwischen zwei Projekten ausgetragen wird: der Traum der Mehrheiten eines großen und starken Landes und der Realität einer raubgierigen Elite, die alles an sich reißen und den Reichtum des Landes in die Taschen einer Handvoll Leute stecken will. Die wohlhabende Elite regiert einfach nur deshalb, weil sie in der Lage ist, alle anderen Eliten zu „kaufen“ (FSP 16.04.2016).

Es ist traurig zu sehen, dass dieser Prozess des Plünderns eine Folge der alten Versöhnungspolitik zwischen den Begüterteten untereinander und mit den Regierenden ist, die aus den Kolonial- und Unabhängigkeitszeiten stammt. Die Präsidenten Lula da Silva und Dilma Rousseff beherrschten oder benutzten nicht die schlaue Strategie dieser regierenden Minderheit, die unter dem Vorwand der Regierbarkeit nach der Versöhnung untereinander und mit der Regierung strebt und dabei dem Volk einige Privilegien einräumt, sofern das Wachstum ihres Reichtums dabei noch auf dem Höchstlevel verbleibt.

Der Historiker José Honorio Rodrigues, der ausführlich die Klassenversöhnung studierte, die immer auf dem Rücken des Volks ausgetragen wird, sagt ganz richtig: Die staatliche Führung war in ihren aufeinanderfolgenden Generationen immer reformistisch, elitär und individualistisch … Die Kunst des Diebstahls ist wohlbekannt und uralt und wird von diesen Minderheiten praktiziert, nicht vom Volk. Das Volk stiehlt nicht. Das Volk wird bestohlen … Das Volk ist herzlich, die Oligarchie ist brutal und erbarmungslos … der große Erfolg der brasilianischen Geschichte beruht auf dem brasilianischen Volk, und die große Enttäuschung sind die brasilianischen Herrscher ((Conciliação e Reforma no Brasil, 1965. pp. 114-119).

Wir erleben in Brasilien die Wiederholung dieser üblen Tradition, aus der wir uns nie befreien werden, ohne eine Gegen-Macht zu stärken, die von unten kommen muss und in der Lage ist, diese perverse Elite zu bekämpfen und einen anderen Staatstypus zu schaffen mit einer anderen Art von republikanischer Politik, in der das Allgemeingut über den individuellen und den unternehmerischen Gütern steht.

Das diesjährige Weihnachtsfest ist ein Weihnachten unter dem Zeichen des Herodes. Dennoch halten wir daran fest, dass das göttliche Kind der befreiende Messias ist und dass der Stern uns wohlwollend auf bessere Wege führen wird.

Leonardo Boff Theologe und Philosoph und von der Erdcharta Kommission  

 

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